Eine Ausstellung alter und zeitgenössischer Kunst im Berliner Dom

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Achte Szene (Cantate) und neunte Szene (Pfingsten)

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In den Tagen vor Pfingsten gestaltet sich der Ausstellungsraum wieder einmal neu.

Du sollst dir (k)ein Bild machen 8. Szene: Cantate und 9. Szene: Pfingsten

Eröffnet wird die achte Szene von einer kleinen Holzmalerei von Hermann Saftleven rechts neben dem Eingang. Ausblick auf ein Flusstal (Rheinfantasie) von ca. 1665 zeigt eine zunächst wunderschöne Landschaft, eine manifestierte Fantasie der Natur, in die Burgen und Schiffe eingehen und Menschen den Acker bestellen. Dieses Idyll wird dann aber gebrochen, entdeckt man den verdorrten Baum in der linken Bildmitte. Auf einer Anhöhe oberhalb des Baumes bricht gerade ein Pilger auf, sich in diese Richtung des nicht mehr Fruchtbaren zu begeben. Das Kind zu seinen Füßen scheint ihn noch zu fragen, ob er denn wirklich zu gehen vorhat. Doch der Schritt des Pilgers scheint entschieden. Es liegt ein beschwerlicher Weg vor ihm. Aber sehen wir über den Pilger in den Himmel, so leuchtet uns sanft ein mild schimmerndes Gold entgegen, das zwischen den Wolken hervortritt.

Auf der Stirnseite des Ausstellungsraumes glänzt Stefan Sehlers Hinterglasmalerei in ähnlich schimmerndem Gold auf. Es thront über den in Goldfolie verpackten Bonbons der Installation Untitled (Placebo – Landscape for Roni) von Félix González- Torres, die gleichsam einen Aufstieg zu bilden scheinen –  zu dem erhöhten goldenen Grund. Die Goldfarbe ist besonders in mittelalterlicher Kunst etabliert, um Hintergründe biblischer Szenen vom Irdischen zu entrücken und die Geschehnisse in transzendente Sphären zu versetzen. In Sehlers zeitgenössischer Arbeit ist dieses Gold aber kein Hintergrund, es ist die bloße Farbe und ihre Struktur. Die Maserung, die sich durch die Materialität der Farbe hinter dem Glas ergibt verankert dieses Überirdische nun doch wieder ganz fest auf unserer Erde – es ist vielleicht sogar vergoldeter Mutterboden.

Ulrich Kochinkes Skulptur Hausaltar von 2013 zeugt von einer subtilen und fast spielerischen Weise, das Profane mit dem Sakralen zu verbinden. Der Altar – als Verehrungsstätte für Gott – ist hier aus Skateboards zusammengestellt, die teilweise typische Embleme der Skater-Szene aufweisen und zum anderen eine fast jugendliche Interpretation heiliger Zeichen zentral zeigt. So ist mit silberner Farbe auf grell-gelbem Board den Märtyrer St. Placidus, samt Inschrift eingraviert.

Nach dem Gebet am modernen Hausaltar wirkt Lucio Fontanas Multiple Concetto Spaziale, das bereits seit der ersten Szene der Ausstellung seinen festen Platz in der Wand hat und den Ausstellungszyklus stets begleitete, plötzlich anders als zuvor. Was im Zuge des Bilderverbots meist wie eine Verletzung des Kunstkörpers wirkte, vor  Ostern sogar wie ein religiöses  Stigmata erschien, bekommt in dieser Hängung eine weitere Deutungsebene. Auf dem Pilgerweg oder nach dem Gebet – auf der Suche nach Erfüllung – wirkt Fontanas Schnitt womöglich wie ein Herz, das bereit ist, sich zu öffnen.

Christina Dolls kleine Plastiken aus Kunstharz  gefertigte Plastiken scheinen allein ihrer Materialität wegen schon vom Irdischen erhoben. So bekommt man ihr faktisches Aussehen kaum gefasst, die kristallin wirkenden Oberflächen lassen sie so mehr als Erscheinung begreifen. Die Gestalt des Engels als Vision überrascht nicht. Sie sind überirdische, übernatürliche Wesen, die Gott zur Seite stehen und letztlich gleichsam als Bote fungieren. Der Engel  Dolls ist eher Phänomen denn Realpräsenz. Überraschend ist, dass die plastische Darstellung des irdischen Wesens des Hirten aber die gleiche ist. Doch finden wir  in diesem Menschenwesen eine göttliche Präsenz, denken wir an den 23. Psalm: „Der HERR ist mein Hirte; mir wird nichts mangeln. Er weidet mich auf grüner Aue und führet mich zum frischen Wasser.“

Margi Geerlinks Fotografie Thou shalt love von 2004 zeigt ein afrikanisches Kind, das in englischer Sprache das Gebot der Nächstenliebe auf dem Bauch geschrieben trägt. Gerade in der aktuellen Situation, auch afrikanischer, Flüchtlinge erlangt diese Fotografie  Brisanz.

Rechts neben dem Elfenbeinkruzifixus aus dem 12. Jahrhundert ( über ihm die hebräisch geschriebene Neonskulptur ‚Du sollst Dir kein Bild machen‘ ) zwei Zeichnungen der in Berlin lebenden Amerikanerin Laura Bruce: Thicket offenbart im Naturphänomen das Religiöse –Ein Lichtkanal, der den Himmel durchbricht, auf die Erde schlägt und diese fast zerteilt. In diesem Lichtstrahl erscheint dann  eine Gestalt. Ein Mensch, der  Energie,  göttliche Energie direkt aus dem Himmel zu empfangen scheint.  Die Darstellung erinnert an die taoistische Praxis des Chanelling: ein Mensch steht als Kanal zur Verfügung, göttliche Energie zu sammeln und sie heilend weiter zu geben. 

River Baptist zeigt eine Erwachsenentaufe an einem Fluss vor einem mächtigen Baum. In der Apostelgeschichte steht eine Predigt Petrus‘, in der er die Taufe als Weg zur Empfängnis des Heiligen Geistes bestimmt: „Als sie aber das hörten, drang es ihnen durchs Herz, und sie sprachen zu Petrus und den anderen Aposteln: Was sollen wir tun, Brüder? Petrus aber sprach zu ihnen: Tut Buße, und ein jeder von euch werde getauft auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung der Sünden, und ihr werdet die Gabe des Heiligen Geistes empfangen.“ (Apg 2, 37-38) Laura Bruce‘ Zeichnungen führen bereits hin zu dem zentralen Thema des Pfingstwunders.

Auf dem Fliesenboden des Raums sind zwei Reliquienschreine aus dem 12. Jahrhundert aufgestellt. Auf einem ist die Inschrift Sancti Briccii Episcopi et Confessoris angebracht und zeigt damit an, wessen Gebeine oder Knochen in diesem Schrein als Reliquie aufbewahrt wurden: Der Heilige Briccius Bischof und Beichtvater. Doch diese Schreine hatten auch einen weiteren zeremoniellen Wert. So wurden sie geöffnet um die Kirche getragen, damit das Gute vom Himmel in sie einkehre. Mit dieser Zeremonie war stets die Hoffnung auf Heilung verbunden – der Wunsch nach der Empfängnis des Guten von oben und die Einkehr auf Erden. So gehen die Schreine eine augenscheinliche Korrespondenz mit den Zeichnungen von Laura Bruce ein. Heilung ist auch das Hauptmotiv der Votivgaben, die sich  der grauen Stirnwand  zeigen. Kunstobjekte aus Wachs, die als Repräsentant für ein Leiden gelten sollten. Es entspricht alter Tradition, künstlich geschaffene Gliedmaßen als Opfergabe an kultische oder religiöse Stätten zu übergeben, um für Rettung aus einer Notlage oder vor Krankheit zu bitten.

Der Chilene Alfredo Jaar  initiiert mit seiner Installation The Silence (1987) an den bewussten Gebrauch unserer Sinne. So sehr wir als Betrachter uns nach dem Schönen in der Kunst sehnen und doch überall Zeichen finden für Höheres, der eigentlichen Sinneswelt Entrückten und allein geistig Erfahrbaren, so  konfrontiert uns die Arbeit mit der realen Welt. Eine Lichtbox eröffnet den Blick auf eine sepiafarbene Szene. Genau erfassen können wir diese aber erst, wenn wir den Blick abwenden und gen Boden richten, denn dort sind Spiegel in einer Kreuzform gelegt, die das Bild des Schaukastens erst wirklich offenbaren. Da sind nun auf dem Boden und im Kreuz  Beine armer Tagelöhner  zu sehen, in Reih und Glied aufgestellt. Die Persönlichkeiten dahinter erkennen wir nicht, sicher aber finden wir in der Kleidung Hinweise auf harte Arbeit und einen minderen sozialen Status.

Pfingsten als christliches Fest feiert das Kommen des Heiligen Geistes und bildet den Abschluss des Osterfestkreises. Den Ursprung findet Pfingsten im jüdischen Fest Schawuot, an dem die Offenbarung der Tora an das jüdische Volk gefeiert wird. Im Neuen Testament werden die Erfahrungen der Jünger Jesu geschildert, die am Schawuot in Jerusalem die Erfüllung vom Heiligen Geist erfuhren.

Und es geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Wind und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen. Und es erschienen ihnen Zungen, zerteilt wie von Feuer; und er setzte sich auf einen jeden von ihnen, und sie wurden alle erfüllt von dem Heiligen Geist und fingen an zu predigen in anderen Sprachen, wie der Geist ihnen gab auszusprechen. (Apg 2, 1-4)

So ist die Installation der Vasen der koreanischen Künstlerin Young-Jae Lee zu verstehen. Zwischen Ostern und Pfingsten  zählen wir 50 Tage, seit Ostermontag wird täglich eine Vase mit lebendigem Wasser dazu  gestellt. In der alten Kunst erinnerten Abbildungen von Feuerzungen an den Heiligen Geist, Lees Vasen tragen rote Flecken, die an diese Zungen gemahnen können als Dekor.  Die Keramiken sind aus Ton gefertigt und im Feuer gebrannt. So versinnbildlicht das Vasenfeld Wachstum und Zeit, das lebendige Wasser des Christentums mit dem Feuer des Heiligen Geistes und der Erde,  aus der alles kommt und in die alles geht.

Über dem Vasenfeld und an der schmalen Seite dem goldenen Bild Stefan Sehlers gegenüber: das große blaue Hinterglasbild von Bettina Scholz scheint über einem kleinen zu schweben. Bei beiden Bildern handelt es sich um Schüttungen und Auftragungen auf die flachliegende Scheibe. Farbe die sich in einer festen Struktur frei bewegen darf und so fast entmaterialisiert und losgelöst vom Bildkörper erscheint. Im großen helleren Kreis spiegelt sich je nach dem Standort des Betrachters der Kruzifixus wie die Skulptur Purity des amerikanischen Künstlers Barry X. Ball. In der kreisrunden Fläche könnten wir die Erde sehen, einen Planeten oder auch eine kleinste Zelle. Darunter ein kleines Querformat, der Kreis scheint sich in die Horizontale zu drehen. Es entsteht ein Bild, das an im Kreis sitzende Menschen erinnert. An die Gemeinschaft der Heiligen.

Seit einigen Tagen fotografieren sich Gläubige und solche die nicht glauben können, Besucherinnen und Besucher der Gottesdienste, Glieder der Berliner Domgemeinde, Touristen aus aller Welt und Besucherinnen und Besucher der Ausstellung gegenseitig. Sie nutzen dabei ein altmodisches Mittel: eine Sofortbildkamera, die ihr Gesicht binnen Minuten aus dem Dunklen entwickelt. Und dieses lässt sich nicht digital verändern. Unsere Falten bleiben und unser inneres Licht wird sichtbar oft. Diese kleinen Portraits werden ab Pfingstmontag in der Ausstellung installiert. Du sollst Dir kein Bild machen. Aber du darfst Dein Antlitz zeigen. Und dies ist nicht Dein Face. 

– Text: Lorena Jonas

 

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You shall (not) make for yourself an image / 8th scene: Cantate and 9th scene: Pentecost

On the days leading up to Pentecost, the exhibition takes on a new shape again, introduced by a small painting on wood by Herman Saftleven to the left from the entrance. View of a River Valley (Rhine Fantasy) from around 1665 at first sight shows a gorgeous landscape, a materialized fantasy of the countryside, with castles, ships and people tilling the land. This idyll is disrupted as soon as one notices a withered tree in the left foreground. On an elevation above the tree a pilgrim is setting off in the direction of the no longer fertile. A child at his feet seems to be asking him whether he is really about to leave. The pilgrim’s pace, however, appears determined. He is facing a difficult path. Yet, in the sky above the pilgrim, a softly shimmering gold is shining through the clouds.

On the front side of the exhibition space, Stefan Sehler’s reverse-glass painting gleams in similarly shimmering golden hues. It hangs above the gold foil-wrapped candies comprising the installation Untitled (Placebo – Landscape for Roni) by Félix González-Torres, which so to speak seem to rise up – toward the elevated golden ground. In medieval art in particular, the color gold was used to set backgrounds of biblical scenes apart from the earthly realm and transpose them into transcendent spheres. In Sehler’s modern-day work, however, gold does not form a background; it is at one with the paint itself and its structure. Yet, the picture´s rich texture, which is created by the materiality of the paint behind the glass, firmly embeds this unearthly element in the earth – it may even be gilded topsoil.

Ulrich Kochinke´s sculpture Hausaltar (Home Altar) from 2013 combines the profane and the sacred in a subtle and almost playful manner. The altar – as a site of religious worship – is in this case made up of skateboards which on the one hand feature typical emblems of the skater scene and on the other show in the middle an almost juvenile interpretation of holy signs. An image and inscription of the martyr Saint Placidus are engraved into the garish yellow board, forming silver lines.
After a prayer at the modern home altar, Lucio Fontana´s multiple Concetto Spaziale – which has accompanied the exhibition cycle ever since the first scene at its permanent place in the wall – appears different than heretofore. What in the context of the prohibition of images appeared like a cut in the artistic medium, before Easter even like a religious stigma, can in this hang be seen in yet another light. On a pilgrimage or after a prayer – in search of fulfilment – Fontana´s slash may appear like a heart ready to open.

Christina Doll´s small statues made of synthetic resin seem elevated above the earthly realm due to their materiality alone. Their actual appearance remains elusive, the crystal-like surfaces make them appear like immaterial beings. It doesn´t come as a surprise that the Angel is depicted as a vision. They are celestial, supernatural beings that aid God and so to speak act as messengers. Doll´s Angel is more of a phantom than a real presence. What is surprising is that the sculptural representation of the Shepherd, an earthly being, follows the same pattern. Yet, if we recall the Psalm 23, we can see this human being as imbued with divine presence: “The LORD is my shepherd; I shall not want. HE makes me lie down in green pastures. HE leads me beside still waters.”

Margi Geerlinks´ photograph Thou shalt love from 2004 shows an African child, the love-your-neighbor commandment is written on her stomach. Especially in relation to the current debate on the situation of (also African) refugees, this photograph strikes as highly relevant to our time.

To the right from the ivory crucifix from the 12th century (and above it the neon sculpture in Hebrew “You shall not make for yourself an image”) hang two drawings by the Berlin-based American artist Laura Bruce: Thicket shows the religious as part of a natural phenomenon – a light channel which breaks through the sky, lands on earth and almost breaks it open. A form appears in this ray of light. A human who seems to be receiving energy, divine energy directly from the sky. The image calls to mind the Taoist practice of channeling: an individual acts as a channel for collecting divine energy and passing it on to others as a form of healing.

River Baptist shows an adult baptism in a river before a mighty tree. The Acts of the Apostles contain a sermon by Peter in which he defines baptism as a path to receiving the Holy Spirit: “When the people heard this, they were cut to the heart and said to Peter and the other apostles, ´Brothers, what shall we do?´ Peter replied, “Repent and be baptized, every one of you, in the name of Jesus Christ for the forgiveness of your sins. And you will receive the gift of the Holy Spirit.” (Acts 2, 37-38) Laura Bruce´s drawings lead us toward the central theme of the miracle of Pentecost.
Two reliquaries from the 12th century are on display on the file floor of the exhibition space. One of them bears the inscription Sancti Briccii Episcopi et Confessoris and thus reveals whose body parts or bones were kept in this receptacle as relics: Saint Brice Bishop and Confessor. These receptacles also had another ceremonious role. Opened, they were carried around the church in order for good things from heaven to make their way into them. This ceremony was always coupled with hope for healing – a wish for receiving good things from above and their presence on earth. In this regard, the reliquaries appear to correspond with the drawings by Laura Bruce. Healing is also the main subject of the votive offerings displayed on the grey front wall. Art objects made of wax serving as a token of a person´s suffering. According to an old tradition, sculpted limbs were offered at cultic or religious sites as a way of pleading for rescue from a predicament or disease.
The Silence (1987), an installation by the Chilean artist Alfredo Jaar, fosters a conscious use of our senses. However much we as viewers yearn for the beautiful in art and all around us find signs of something higher which transcends the actual sensory world and can be experienced only spiritually, this work confronts us with the real world. A light box opens the view onto a sepia-colored scene. We can however fully grasp it only when we look down on the mirrors forming a cross on the floor, which show the legs of poverty-stricken day laborers standing in line. We cannot see the individuals, yet their clothes suggest hard work and a lower social status.
The Christian feast of Pentecost celebrates the descent of the Holy Spirit and marks the end of the Easter Season. Pentecost originated from the Jewish feast of Shavuot, which celebrates the giving of the Torah to the Jewish people. The New Testament gives an account of the experiences of the Apostles, who were filled with the Holy Spirit in Jerusalem on Shavuot.

And suddenly there came a sound from heaven as of a rushing mighty wind, and it filled all the house where they were sitting. And there appeared unto them cloven tongues like as of fire, and it sat upon each of them. And they were all filled with the Holy Ghost, and began to speak with other tongues, as the Spirit gave them utterance. (Acts 2, 1-4)

This also applies to the installation of vases by the Korean artist Young-Jae Lee. There are 50 days between Easter and Pentecost; since Easter Monday, each day a vase filled with living water has been added. In old art, depictions of tongues of fire recalled the Holy Spirit; Lee´s vases bear red stains which may call to mind these tongues. They were made by firing clay. The vase field thus symbolizes growth and time, the living water of Christianity and the fire of the Holy Spirit and the earth, from which all comes and into which all goes back.

Above the vase field and opposite Stefan Sehler´s golden painting: a large blue reverse-glass painting by Bettina Scholz seems to hover above a smaller one. Both pictures were made by pouring and applying paint onto a panel lying flat on the ground. Paint was allowed to move freely within a fixed structure and thus appears almost dematerialized and emancipated from its support. Depending on the viewer´s position, the big, lighter-hued circle mirrors the ivory crucifix as well as the sculpture Purity by the American artist Barry X. Ball. The circular form can be perceived as the Earth, a planet or a tiny cell. Below is a small rectangular picture, a circle seems to be revolving horizontally. This image recalls people sitting in a circle – the communion of saints.

For some time now the faithful and those without religious faith, people attending the worships, members of the congregation of Berlin Cathedral, tourists from all over the world and visitors to the exhibition have been taking photographs of each other. They have used an old-fashioned device: an instant camera which in a matter of minutes makes our face emerge from out of the darkness. And this cannot be digitally altered. Our wrinkles remain and our inner light often becomes visible. From Pentecost Monday on, these small portraits will be installed in the exhibition. You shall not make for yourself an image. But you can show your countenance. And this is not the mere surface of your face.

Fotocredits / photo credits

- Heman III Saftleven: Ausblick auf ein Flusstal (Rheinfantasie), 1665Öl auf Holz, 21 x 27,5 cm, Courtesy SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin © Heman III Saftleven

- Stefan Sehler: o.t., 2011, 205cm x155cm, Acryl, Lack, Öl hinter Plexiglas, Courtesy Stefan Sehler © Stefan Sehler

- Félix González-Torres, Untitled (Placebo – Landscape – for Roni), 1993544 kg Bonbons in Goldfolie, Dimensions variable, Courtesy Sammlung Hoffmann, Berlin, © Félix González-Torres und Sammlung Hoffmann, Berlin

- Ulrich Kochinke: Hausaltar, 2013Pyrographie auf Blankdeck, Skatedecks, Scharniere, 85 x 65 cm, Courtesy TEUTLOFF MUSEUM e.V., © Ulrich Kochinke

- Christina Doll, Hirte, 2013/2015Kunstharz, 13 x 14 x 25 cm, Foto: Lothar Schnepf, Courtesy Christina Doll, © Christina Doll

- Christina Doll, Engel, 2014/2015Kunstharz, 15 x 15 x 40 cm, Foto: Lothar Schnepf, Courtesy Christina Doll, © Christina Doll

- Margi Geerlinks, Thou shalt love, 2004Ilfoflex, Plexiglas, Alu-Dibond 100 x 73 cm, Courtesy TEUTLOFF MUSEUM e.V. © Margi Geerlinks

- Laura Bruce, River Baptist, 2007Graphite on Paper, 100 x 70 cm, Courtesy Privatsammlung, Foto: Kim Keibel © Laura Bruce

- Reliquienschrein des hl. Brictius von Tourszweite Hälfte 14. Jahrhundert, Ergänzungen von 1728 und 1784, Holz, geschnitzt und vergoldet, 53,5 x 30,1 x 65,5 cm, Leihgabe aus dem Diözesanmuseum Bamberg

- Alfredo Jaar, The Silence, 1987, Lightbox, ca. 76 x 101 x 12,5 cm, 5 Spiegel, je 30 x 30 cm, Foto: Kurt Steinhausen Fotografie, Courtesy TEUTLOFF MUSEUM e.V., © Alfredo Jaar

- Young-Jae Lee, Tulpenvase, 2014, Keramik, Ed. 88, Höhe ca. 20 cm, Durchmesser ca. 20 cm, Courtesy Privatsammlung, © Young-Jae Lee

- Barry X Ball, Purity, 2008-2009, Iranischer Onyx, rostfreier Stahl, 41,9 x 28,6 x 61 cm, Sockel: Mazedonischer Marmor, rostfreier Stahl, Holz, Acryllack, Stahl, Nylon, Plastik, 114,3 x 35,6 x 30,5 cm, Courtesy Olbricht Collection

- Lucio Fontana, Concetto Spaziale, 1968, Pink plastic, multiple, 30 x 30 x 2 cm, Foto Uwe Gaasch, Courtesy Sammlung Hoffmann, Berlin, © Lucio Fontana, Sammlung Hoffmann, Berlin und VG Bild- Kunst, Bonn 2015

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