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	<title>Du sollst dir kein Bild machen &#187; Predigt</title>
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	<description>Eine Ausstellung alter und zeitgenössischer Kunst im Berliner Dom</description>
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		<title>Predigt Pfingstmontag</title>
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		<pubDate>Tue, 26 May 2015 20:17:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Achim Klapp]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Künstler]]></category>
		<category><![CDATA[Predigt]]></category>

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		<description><![CDATA[Predigt über Johannes 4, 19-26 und zwei Gemälde von Bettina Scholz und Stefan Sehler von Dompredigerin Dr. Petra Zimmermann &#160; Komm, heiliger Geist. Komm, wahres Licht. Komm, verborgenes Mysterium&#8230; Komm, gänzlich unanschaubar, unberührbar, unantastbar. Komm, Freude ohne Ende. &#160; Liebe Gemeinde, so hat Symeon, Theologe und Mystiker aus dem 10. Jahrhundert, den Geist angerufen. Dieser [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Predigt über Johannes 4, 19-26 und zwei Gemälde von Bettina Scholz und Stefan Sehler von Dompredigerin Dr. Petra Zimmermann<span id="more-781"></span></p>
<div id="attachment_778" style="width: 650px" class="wp-caption alignleft"><img class="wp-image-778" src="http://du-sollst-dir-kein-bild-machen.de/wp-content/uploads/2015/05/sehler_gold_205x155_2011-Kopie-770x1024.jpeg" alt="o.t. 2011 205cm x155cm acryl, lack, öl hinter plexiglas" width="640" height="851" /><p class="wp-caption-text">Stefan Sehler, o.t., 2011, 205cm x 155cm, Acryl, Lack, Öl hinter Plexiglas, Courtesy Stefan Sehler © Stefan Sehler</p></div>
<p>&nbsp;</p>
<p>Komm, heiliger Geist.<br />
Komm, wahres Licht.<br />
Komm,<br />
verborgenes Mysterium&#8230;<br />
Komm,<br />
gänzlich unanschaubar,<br />
unberührbar, unantastbar.<br />
Komm, Freude ohne Ende.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Liebe Gemeinde, so hat Symeon, Theologe und Mystiker aus dem 10. Jahrhundert, den Geist angerufen. Dieser Geist, unfassbar, unanschaubar, unberechenbar. Jeden kann er ergreifen, durchschütteln, animieren. Die Taube ist sein Symbol. Und doch scheint die Taube allein zu harmlos zu sein, um sein Wirken zu erfassen. Feuerzungen und Sturmbrausen, so erzählt der Evangelist Lukas, haben sich der Menschen bemächtigt. Der Geist wirbelt die Dinge durcheinander, kehrt das Unterste zuoberst und schafft neue Verbindungen. Er macht Verdorrtes lebendig und sprengt Versteinertes auf. Er ist der Geist, der über den Wassern der Urflut schwebte, als noch nichts war. Ein Hauch, ein Atem, der uns ins Leben rief. Schöpferische Kraft. Inspriration.<br />
Schreiben Sie was über Inspiration, wurde der Schweizer Schriftsteller Thomas Hürlimann aufgefordert. Und er erzählt von Samuel Beckett.1 Der Dramatiker soll zehn Jahre auf dem Sofa gelegen und eine neue Dramaturgie gesucht haben. Sein geduldiges Warten wurde belohnt. Eines Tages fiel ihm Warten auf Godot ein. Als dieses Stück das Theater eroberte, hat man versucht, Becketts Inspiration nachzuzeichnen. Und tatsächlich ließen sich einzelne Bestandteile benennen. Das Sofa, das irische Variete, das er als Kind so liebte, und seine Bewunderung für Shakespeare. Kurz, in Becketts Geist trafen die verschiedensten Dinge zusammen, sein eigenes – oft quälendes &#8211; Warten, seine Kindheitserinnerungen, sein literarisches und theologisches Wissen. Und aus der Verbindung all dieser bislang unverbundenen Gedanken entstand Neues. Warten auf Godot, ein Jahrhundertstück. Inspiration ist nach Thomas Hürlimann also das Zusammenfallen von bislang Unverbundenem. Eine neue Verbindung in Raum und Zeit.<br />
In der Tauf- und Traukirche ist zu Pfingsten eine neue Szene aus Kunstwerken entstanden. Darunter ein weiteres Bild des zeitgenössischen Künstlers Stefan Sehler. Eine Hinterglasmalerei in Goldtönen. Amorphe Strukturen mit Gold überzogen. Oder wie eine Maserung, oder als hätte man Gold über Erde gestrichen. Die Augen wandern darüber. Man kann sich gleichsam hineinversenken in diese schimmernde Landschaft, die ein Geheimnis zu verbergen scheint. Ein Versprechen dazu. In der Mittelalterlichen Malerei war der goldene Hintergrund einer Szene Zeichen dafür, dass es hier um das Göttliche geht, um Transzendenz. Bei Stefan Sehler aber ist das Gold kein Hintergrund für etwas anderes, sondern ist Materialität, Struktur, Farbe. Und dennoch: Oh, ein neues Altarbild! rief ein Gemeindeglied überrascht aus, als ich mit ihm den Raum betrat. Dasselbe Bild in einem Museum hätte wohl kaum diese Überraschung ausgelöst. Womöglich wäre auch der Künstler selbst verblüfft, wenn er das hörte. Aber nun hängt das Bild in unserer Kirche, dort, wo sich hinter der Wand der Altar versteckt. Und wir sehen das Gold hier wie dort. Eine neue Verknüpfung geschieht. Eine neue Verortung in Raum und Zeit, in einer alten Erinnerung und in einer Verheißung. Inspirierend ist das.<br />
Inspiratio, das Eingießen des Geistes feiern wir zu Pfingsten. Feuerflammen und Sturmböen wirbeln. Aber es kommt mehr dazu als gestaltloser Gotteshauch. Eine Geschichte. Ein Mensch. Und wir selbst mit unseren Lebensgeschichten.<br />
Hören wir auf den Predigttext. Er steht im Evangelium nach Johannes.<br />
19 Die Frau spricht zu Jesus: Herr, ich sehe, dass du ein Prophet bist. 20Unsere Väter haben auf diesem Berge angebetet, und ihr sagt, in Jerusalem sei die Stätte, wo man anbeten soll. 21Jesus spricht zu ihr: Glaube mir, Frau, es kommt die Zeit, dass ihr weder auf diesem Berge noch in Jerusalem den Vater anbeten werdet. 22Ihr wisst nicht, was ihr anbetet; wir wissen aber, was wir anbeten; denn das Heil kommt von den Juden. 23Aber es kommt die Zeit und ist schon jetzt, in der die wahren Anbeter den Vater anbeten werden im Geist und in der Wahrheit; denn auch der Vater will solche Anbeter haben. 24Gott ist Geist, und die ihn anbeten, die müssen ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten. 25Spricht die Frau zu ihm: Ich weiß, dass der Messias kommt, der da Christus heißt. Wenn dieser kommt, wird er uns alles verkündigen. 26Jesus spricht zu ihr: Ich bin&#8217;s, der mit dir redet.<br />
Eine Frau spricht. Namenlos, und doch erfahren wir aus dem Zusammenhang der Geschichte einiges über sie. Sie ist Samaritanerin. Somit Angehörige einer anderen Konfession. In den Augen mancher eine Sekte. Ihr heiliger Ort ist nicht der Tempel in Jerusalem, sondern der Berg Garizim. Es ist Mittagszeit am Jakobsbrunnen. Größte Hitze. Dort treffen die beiden aufeinander. Und Jesus bittet sie, ihm Wasser zu geben. Ein Tabubruch. Er, der Mann, spricht sie, die Frau an. Er, der Jude, bittet sie, die Samaritanerin um Wasser. Wir können kaum noch verstehen wie unerhört diese Begegnung ist. Das macht man nicht, hört man es aus stummen Mündern schreien. Den Mündern der Religions- und Sittenwächter, den Mündern der Ordnungshüter und Rechtschaffenen, der Hüter der Grenzen und Konventionen. Das macht man nicht. Jesus schert sich nicht darum, was man so macht. Im Gegenteil, es bleibt nicht bei der Bitte um Wasser. Während das Wasser fließt, kommt auch das Gespräch in Fluss. Er spricht mit ihr über ihre Lebensgeschichte. Sagt ihr auf den Kopf zu, was ihr Schmerz ist. Ihre Wunde. Fünf Männer haben dich verlassen, und der, mit dem du jetzt lebst, verweigert dir die Ehe. Verweigert dir Sicherheit und Ansehen. Und die Frau weiß sich gesehen. Nicht so, als läge der Blick eines Richters auf ihr, nicht bewertet oder verurteilt. Sie fühlt sich gesehen mit ihrer Geschichte, mit ihrem Schmerz, mit all dem, was ihr Leben verdunkelt. Sie weiß sich gesehen wie sie ist. Und dennoch nicht entblößt, sondern in diesem Blick gut aufgehoben.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Wir leben von solchen Momenten. Es ist ein Moment, in dem man dem anderen wirklich zeigen kann, was ist. Wer man ist. Der Moment, in dem ich meine Masken ablege. Aufhöre, mich zu verstecken. Der Moment, in dem ich nicht mehr besser sein muss als ich bin. Nicht heiler, nicht größer oder souveräner. Ich teile die Erinnerung an meine Geschichte, auch dort, wo sie schmerzlich ist, wo sie mein Leben beschädigt hat. Das ist ein Moment, wo sich das Leben entsichert. Ein Moment großer Nähe. Vertrauen. Wahre Kommunikation vom Ich zum Du. Ein Moment wie ein Geschenk. Nicht zu machen, nicht herzustellen. Geistesgegenwart.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Mit der Antwort der Frau setzt unser Text ein: „Ich sehe, dass du ein Prophet bist.“ Und das sagt die Samaritanerin, Angehörige einer Glaubensgemeinschaft, die die Propheten nie anerkannt haben. Bei denen nach Mose niemand mehr gekommen ist, der diesen Titel tragen durfte. Und dann dies. Ich sehe, dass du ein Prophet bist. Einer der tiefer schaut. Einer, der in der Wahrheit ist. Und jetzt will sie mehr wissen, will tiefer graben. Sag, „Unsere Väter haben auf diesem Berge angebetet, und ihr sagt, in Jerusalem sei die Stätte, wo man anbeten soll.“ Du, der du so viel von meiner Wahrheit siehst, sag mir mehr. Sag mir, wo ich anbeten soll, sag mir, wo die letzte Wahrheit ist. Und Jesu Antwort: weder hier noch dort. … „Gott ist Geist, und die ihn anbeten, die müssen ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten.“</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Gott ist Geist. Sein Wesen und Wirken ist Geist. Der Geist, der am Anfang über der Urflut brütete. Die Erde war wüst und leer, aber dennoch nicht von Gott verlassen. Die Psalmen singen von dem Geist Gottes, der die Menschen erschafft und das Angesicht der Erde neu macht. Der Geist Gottes ergreift Menschen und macht sie zu Propheten. Und einer von ihnen, Joel, kündigt eine Zeit an, in der der Geist Gottes über Junge und Alte ausgegossen wird. Traumzeit wird sein. Zeit der Inspiration.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Dem goldenen Bild von Stefan Sehler gegenüber hängt ein Bild der Künstlerin Bettina Scholz. Auch dieses eine Hinterglasmalerei. Die vorherrschende Farbe ist Dunkelblau. Doch wo man auf Sehlers Goldbild wie auf einer Landschaft mit den Augen spazieren gehen kann, scheine ich in das Bild von Bettina Scholz wie hineingezogen zu werden &#8211; in einen tiefen Bildraum. Wie Wolkenfetzen verteilen sich Farbspiele auf der Fläche. Oder der Geist über der Urflut? In der Mitte eine kreisrunde Lichtscheibe, ist es eine Öffnung in den Raum dahinter? Ist es ein Licht, das auf mich zukommt? Himmelslicht aus einer anderen Welt? Man möchte geradezu in das Bild hineinsteigen, um die Räume, die dahinter liegende Wahrheit zu erkunden. Ich trete vor dem Bild hierhin und dorthin, und entdecke auf der spiegelnden Glasoberfläche plötzlich den Bamberger Christus, der wie im Raum zu schweben scheint, entdecke die hebräische Neonschrift, du sollst dir kein Bild machen. Sehe, wie sich der Goldgrund des gegenüber liegenden Bildes darin spiegelt. Entdecke in der Szene &#8211; mich selbst. Mein Gesicht. Mit mir selbst scheint das zu tun zu haben. Die Tiefe des Raums. Goldgrund und Himmelslicht.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Die Samaritanerin geht im Gespräch noch einen Schritt weiter. Sie spürt, dass Jesus von einer anderen Wirklichkeit redet, einer Wirklichkeit, die ihr noch ganz fern und entzogen erscheint. Aber wenn der Messias kommt, sagt sie, dann, dann werden die offenen Fragen beantwortet, dann werden die Trennungen überwunden, dann kann die Welt heil werden. Da spricht Jesus zu ihr: Ich bin&#8217;s, der mit dir redet. Das, was du erwartest, ist schon jetzt da. Ist Gegenwart. Ist Konkret. Hat Gesicht. Mein Gesicht. Hat eine Geschichte. Meine Geschichte. Was du von der Zukunft erwartest, ist jetzt schon da. Was du dir als Erlösung erhoffst, geschieht schon jetzt. Meine Geschichte verbindet sich mit deiner, wirkt in deine Geschichte hinein. Neues kann beginnen. Eine neue Schöpfung im Geist.</p>
<p>Liebe Gemeinde, mich fasziniert an dieser Geschichte des Johannes, wie sich das Gespräch über das Leben der Frau und das Gespräch über die wahre Anbetung miteinander verschränken. Das Gespräch über Religion ist kein Fluchtweg aus der persönlichen Geschichte, sondern es führt vielmehr auf die existentielle Spur des eigenen Lebens. Es ist wie eine neue Geburt.</p>
<p>Das Gespräch mit der Frau bricht an dieser Stelle ab. Vordergründig deshalb, weil die Jünger aus der Stadt zurück kehren und sich verwundert zeigen, dass Jesus mit einer Frau spricht. Die Frau ihrerseits eilt in die Stadt zurück und erzählt alles, was sie erlebt hat. Und am Ende der Episode wird berichtet, wie „viele zum Glauben gekommen“ seien. Aus der verunsicherten, geächteten Frau wird die Gründerin einer Gemeinde.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Geist weht wo er will. Er ist wie ein Wanderer, der über die Erde geht, er verwickelt die Geschichten von Menschen mit der Geschichte Gottes. Schafft neue Konstellationen, bringt bislang Zerstreutes auf ungeahnte Weise miteinander in Verbindung. Wo der Geist Gottes unterwegs ist, da blühen ungewohnte Gedanken. Da kann ich raustreten aus den Beklemmungen meines Lebens. Lass mich nicht mehr festlegen auf das, was ich meine, zu sein. Lass mich nicht mehr bannen von meinen schmerzlichen Erfahrungen, versuche neue Schritte, versuche ein neues Leben.</p>
<p>Johann Sebastians Bachs Kantate, die wir gleich hören werden, macht aus den „neuen Schritten“ Tanzschritte. Festlich beschwingt bringt schon der Eingangschor das müde Herz in Bewegung. In den großen Chorsätzen wie in den intimen Teilen der Solo-Arie ist der Ton freudig und strahlend. Fast drängend fleht die Musik: Komm, komm, mein Herze steht dir offen. In scheinbar endlos langen 16tel-Noten wird die ewige Freude in Musik verwandelt. Da mag die Hölle toben, da mag das Rasseln ihrer Ketten hörbar werden, da mag der Zweifel sich immer wieder zu Wort melden, die Freude wird doch den Ton bestimmen.</p>
<p>Hier gilt gar nichts als Lieb und Gnad, Die Christus uns verdienet hat.<br />
Und wer den Schlußchoral hört, erkennt vielleicht die Melodie wieder: Kommt her zu mir, spricht Gottes Sohn, all, die ihr seid beschweret nun, ich will euch geben, was ich hab, will heilen euren Schaden.<br />
Und was sollen wir darauf antworten außer, dass wir unser Amen dazu sprechen. So möge es sei. Amen.</p>
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		<title>Predigten von Karfreitag und Ostermontag</title>
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		<pubDate>Tue, 07 Apr 2015 10:20:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Achim Klapp]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Predigt]]></category>

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		<description><![CDATA[Karfreitag 2015 Predigt über Johannes 19, 26-30 Dompredigerin Petra Zimmermann Liebe Gemeinde, welches Bild vom Gekreuzigten haben Sie? Was steht Ihnen vor Ihrem inneren Auge. Vielleicht ein Christus mit Dornenkrone, dem das Blut in feinen Fäden ins Gesicht läuft? Die Füße überkreuz, von einem Nagel durchbohrt? Vielleicht der im Schmerz verrenkte Christus vom Isenheimer Altar, [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Karfreitag 2015<br />
Predigt über Johannes 19, 26-30<br />
Dompredigerin Petra Zimmermann</strong></p>
<p>Liebe Gemeinde, welches Bild vom Gekreuzigten haben Sie? Was steht Ihnen vor Ihrem inneren Auge. Vielleicht ein Christus mit Dornenkrone, dem das Blut in feinen Fäden ins Gesicht läuft? Die Füße überkreuz, von einem Nagel durchbohrt? Vielleicht der im Schmerz verrenkte Christus vom Isenheimer Altar, mit langen Händen, die in einen schwarzen Himmel greifen? Vielleicht der Christus aus Mel Gibsons Hollywood-Film, der im Todekampf schreit? Jeder von uns wird sich ein Bild machen. Und unzählig sind die Bilder und Skulpturen und Filme, die Künstler uns vor Augen stellen. Die meisten bildlichen Darstellungen der Passionsgeschichte stellen das menschliche Leiden des Christus in den Mittelpunkt, den Schmerzensmann. Von Grünewald und Velasques bis Lovis Corinth, Hrdlicka und Hermann Nitsch &#8211; es ist der geschundene Christus, der leidende Mensch, das Opfer, das unter Qualen sein Leben verliert. Ganz anders der Christus, den der Evangelist Johannes uns vor Augen stellt.</p>
<p>„Es ist vollbracht.“ Heißt es da am Schluß. Die Kreuzigung endet bei Johannes in einer großen Ruhe. Das Urteil ist vollstreckt, der Mob hat sich ausgetobt, die Soldaten haben den Gewinner des Gewandes ausgewürfelt. Über allem: Der Christus. „Es ist vollbracht.“ Und er neigte sein Haupt und verschied. Kein Todeskampf. Keine Frage nach dem Warum. Kein wortloser Schrei eines Verzweifelten. Am Ende nur diese große Ruhe.</p>
<div id="attachment_614" style="width: 410px" class="wp-caption alignleft"><img class="wp-image-614" src="http://du-sollst-dir-kein-bild-machen.de/wp-content/uploads/2015/04/02-300x212.jpeg" alt=" ‚Kruzifixus‘ aus dem 12. Jahrhundert, der für die Ausstellung in Berlin als eines der wesentlichen sakralen Kunstwerke erstmals den rund eintausend Jahre alten ‚Bamberger Domschatz‘ verlässt. Als Teil der Karfreitagsprozession war er in früheren Jahrhunderten im Bamberger Dom im Gebrauch. Mehrfach zerbrochen und wieder zusammengefügt, zeigt der Körper des Christus unübersehbar Spuren, die wie kaum verheilte Wunden seine rechte Seite durchziehen. Foto: Uwe Gaasch" width="400" height="283" /><p class="wp-caption-text">‚Kruzifixus‘ aus dem 12. Jahrhundert, der für die Ausstellung in Berlin als eines der wesentlichen sakralen Kunstwerke erstmals den rund eintausend Jahre alten ‚Bamberger Domschatz‘ verlässt. Als Teil der Karfreitagsprozession war er in früheren Jahrhunderten im Bamberger Dom im Gebrauch. Mehrfach zerbrochen und wieder zusammengefügt, zeigt der Körper des Christus unübersehbar Spuren, die wie kaum verheilte Wunden seine rechte Seite durchziehen. Foto: Uwe Gaasch</p></div>
<p>Man muss weit zurück gehen, ins frühe Mittelalter, um Darstellungen zu finden, die diesen Johanneischen Christus zum Vorbild haben. Eine dieser Darstellungen hängt seit gestern Nacht bei uns in der Tauf- und Taufkirche. Es ist ein Elfenbein-Kruzifix aus Bamberg. Fast 900 Jahre alt. Sie müssen es sehen. Wir haben nur den Corpus, das Kreuz, an dem er wohl mal hing, ist im Lauf der Jahrhunderte abhanden gekommen. Der erste Eindruck: Er ist ganz hell. Er strahlt eine lichte Ruhe aus. Die Augen sind geschlossen, sein Gesicht ist ernst, aber nicht gequält. Das Leiden ist aus seinem Ausdruck nicht verbannt, aber es ist überwunden. Die Arme sind hoch gehoben, und obwohl die Nägelmale in den Händen erkennbar sind, scheint es mir eher wie die Haltung eines Segnenden. Das ist nicht der zu Tode gemartete Leidende, sondern der König. Auf dem Kopf gab es wohl mal eine silberne Krone, auch die ist verloren gegangen. Dennoch der Eindruck: Der König am Kreuz hat die Finsternis besiegt. Es ist vollbracht.</p>
<p>Es ist vollbracht, was vom Anbeginn der Zeit beschlossen war. Es ist vollbracht, was die göttliche Absicht mit dieser Welt war. „Am Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und Gott war das Wort. Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht.“ So heißt es zu Beginn des Johannes-Evangeliums. Schon bei der Schöpfung der Welt, als das Wort Gottes die Sonne und die Sterne, die Pflanzen und Tiere und schließlich den Menschen ins Leben rief, war alles beschlossen &#8211; war die Heilsgeschichte der Welt beschlossen. Und siehe, es war sehr gut, sprach das Wort Gottes zu Beginn der Schöpfung. Und: „Es ist vollbracht“, spricht der Gottessohn und behauptet damit nicht weniger als dass damit die Vollendung der ganzen Schöpfung geschehen sei. Es ist wie ein großer Gesang, der durch die Himmel zieht.</p>
<p>Liebe Gemeinde, wie bringen wir uns selbst ins Verhältnis zu diesem theologischen Programm des Evangelisten Johannes, zu diesem erhabenen Christus? Wie verbinden wir dieses Geschehen mit unserem Leben? Es ist vollbracht? Wo doch unsere alltägliche Erfahrung zeigt, dass die Schöpfung alles andere als vollendet ist. Das Seufzen der Kreatur durch die Welt läuft. Wo doch diese Welt noch immer aus tausend Wunden blutet und unschuldiges Blut vergossen wird wie eh und je. Wo doch erst in den letzten Tagen sich wieder Tod auf Tod häuft. Ob bei der Katastrophe in Südfrankreich, der explodierenden Gewalt im Jemen. Und Kreuzigungen finden im Irak und Syrien wieder täglich statt. Es ist etwas schrecklich Alltägliches, dass Blut fließt. Was heißt da: Es ist vollbracht?</p>
<p>Versuchen wir einen ersten Anweg. Fragen wir: Was ist vollbracht? Zunächst einmal: Das Leiden ist ausgestanden, die Schmerzen des Leibes und der Seele sind vorbei. Die Qual des Todes klingt nur noch von Ferne nach in diesem Satz. Es ist vollbracht. Schon dies ist ein Trost für manchen, der glaubt, das Leiden wird kein Ende nehmen. Für manchen Angehörigen, der an dem Bett eines Kranken sitzt und auf Erlösung wartet. Es ist ein erster Trost, ein kleiner Trost, er sagt: So wie alles Leben endlich ist, so ist auch der Schmerz endlich und das Leiden. Alles Leiden hat eine begrenzte Zeit. Auch die dunkelste Nacht geht vorüber. Auch die größte Qual wird einmal überstanden sein. Vielleicht haben wir an manchen Kranken- und Sterbebetten zunächst keinen anderen Trost als dass wir mit einem Seufzer der Erleichterung dies sagen: Es geht zu ende, und mit dem Leben endet auch das Leiden.</p>
<p>Aber das ist es nicht allein. Wir müssen versuchen, noch tiefer zu verstehen. Ich gehe noch mal an den Anfang des Evangeliums. „Das Wort ward Fleisch und wohnte mitten unter uns und wir sahen seine Herrlichkeit. Aber wir erkannten ihn nicht.“ Schreibt Johannes. Und dann: Das Licht scheint in die Finsternis, aber die Finsternis hats nicht ergriffen. Der große Gesang hat zugleich auch diesen dunklen Unterton.<br />
Die Menschen wollten Gott nicht sehen. Sie wollten ihn loswerden. Weil er ihre Kreise störte. Weil er ihre Machtansprüche störte. Weil er Hierarchien infrage stellte, weil er nach den Menschen fragte, wie noch nie jemand nach ihnen gefragt hatte.</p>
<p>Und denken wir nicht, es sei anders geworden. Wir wollen Gott doch auch immer wieder los werden. Und sei es nur für gewisse Stunden. Momente, in denen ich mir von Gott nicht reinreden lassen will. In denen ich mein eigener Herr sein will, niemandem verpflichtet. Wo ich allein sein will mit mir und meiner Entscheidung, ohne mich vor Gott zu verantworten. Alleinsein will mit meinem Ärger und meiner Wut, die ich nicht begrenzen lassen will von einem versöhnenden Gott. Alleinsein mit meinem Streben nach Mehr und mehr, das ich nicht begrenzen lassen will von diesem Gott, der mir sagt: du brauchst das alles nicht. Alleinsein sogar mit meinem dunklen Schmerz, ohne mich von Gott trösten lassen zu wollen. Die Macht Gottes soll ausgeschaltet werden, damit sich der Wille des Menschen zur Macht durchsetzen kann. Es ist vollbracht. Die Menschen haben die große Störung beseitigt. Der Mund, der so aufregende Dinge gesagt hat, ist zum Schweigen gebracht. Der Gottessohn ist in die Tiefe des Todes gestoßen. Weg mit ihm. Das ist die dunkle Seite dessen, was vollbracht ist.</p>
<p>Aber, so versteh ich Johannes, dort in der Tiefe des Todes, in der Hölle der Bosheit, auf dem Grund des absoluten Nichts, dort beginnt etwas Neues. Die neue Schöpfung, die re-creatio, wie die Alten sagten, die Wiederschöpfung der gefallenen Welt. Diese Welt, die ohne Gott sein wollte, die sich gewehrt und gesträubt hat gegen ihn, diese Welt wurde umfangen von dem liebenden Gott.</p>
<p>Vielleicht können wir es uns so vorstellen: Wenn ein Mensch, der einem am Herzen liegt, auf einem schlimmesn Weg ist, wenn er wie blind ist, verhärtet, verwirrt und mein Wort ihn nicht mehr erreicht. Dann wünschte ich, man könnte bis zu seinem Innersten gelangen, hinabreichen bis zu seinem tiefsten Kern und ihn dort mit Liebe umfangen und neu aufrichten.</p>
<p>Oder wir selbst, wenn wir einen klaren Blick auf unser Leben werfen, ohne Verschönerung und Entschuldigung und Selbsttäuschung, und in den Blick nehmen, was wir getan oder unterlassen haben. Wenn wir all unsere Unversöhnlichkeit in den Blick nähmen, unsere Feigheit, unser Versagen – dann kann man fühlen: ich müsste aus mir selbst heraus, von mir selbst los kommen, von meiner Vergangenheit, meiner Geschichte, müsste ins Freie gelangen. Eine Kraft müsste kommen und mich umfangen, mein Innerstes erreichen, mein eigentliches Wesen umkehren. Mich ins Licht ziehen.</p>
<div id="attachment_561" style="width: 410px" class="wp-caption alignleft"><img class="wp-image-561" src="http://du-sollst-dir-kein-bild-machen.de/wp-content/uploads/2015/03/SehlerStefan_o.T._2014-_Mischtechnik-auf-Plexiglas_173-x-127-cm-220x300.jpeg" alt="Stefan Sehler o.T., 2014  Mischtechnik auf Plexiglas  173 x 127 cm Courtesy Stefan Sehler © Stefan Sehler" width="400" height="545" /><p class="wp-caption-text">Stefan Sehler<br /> o.T., 2014<br /> Mischtechnik auf Plexiglas<br /> 173 x 127 cm<br /> Courtesy Stefan Sehler<br /> © Stefan Sehler</p></div>
<p>In der Tauf- und Traukirche hängt ein Bild des Malers Stephan Sehlers. Es hängt dort, wo der Altar sich hinter dem grauen Kubus verbirgt. Ganz in erdigen Graubraun – Tönen. Streng symmetrisch explodiert aus der Mitte des unteren Bildrandes eine Bewegung sternförmig nach oben. Oder werden die Strahlen hinabgezogen? Man sieht die Bewegung, die sich aus einem Punkt entfaltet oder in einen Punkt hinabfällt. Auf und ab geht es mit einer Energie, die sich nicht festhalten lässt. Und je nach Lichteinfall flammt in den grauen Strahlen plötzlich ein zarter Golddton auf. Dann glitzern silberne Punkte. Wo der erste Blick nur die Dynamik in Graubraun wahrnimmt, entdeckt der zweite etwas anderes. Es ist wie ein leises Versprechen.</p>
<p>Für mich verbindet sich mit diesem Bild die Dynamik, die der Evangelist Johannes mit seiner Passionsgeschichte erzählt. Christus steigt hinab. Steigt hinab bis in das Wesen des Menschen. Dorthin, wo seine Angst sitzt, seine Bosheit, seine Verhärtung. Er stürzt hinab bis auf den letzten Grund, um dies alles zu umfangen und zu lösen. Indem er hinabtauchte bis zu der letzte Tiefe, in die größte Finsternis, in das absolute Nichts, aus der die Welt neu geschaffen wurde, indem dies geschah, wurde die Schöpfung neu. Die Macht der Liebe ruft die neue Schöpfung herauf. Der Bann der Finsternis ist durchbrochen. Ich bin das Licht der Welt. Es ist vollbracht.</p>
<p>Liebe Gemeinde, wir müssen das zusammenhalten. Den Abstieg in die Tiefe, die zugleich Erhöhung ist, die Gewalttätigkeit dieses Todes und die Herrlichkeit des lebendigen Gottes. Die Dornenkrone und die Krone des Lebens, Höllenfahrt und Himmelfahrt. Das ist das Zeichen des Kreuzes, dieses Zusammenführen von Tiefe und Höhe, von Tod und Leben. Dieses Kreuz durchkreuzt die Vorstellungen, die wir uns von Tod und Leben, Tiefe und Höhe machen. Dieses Zeichen des Kreuzes kann die Welt nicht mehr loswerden. Da kann die Bosheit sich aufbäumen, der Tod seine Mätzchen machen, wie er will, durch dieses Kreuz hat uns der Christus den Zugang zum Leben verschafft.</p>
<p>Liebe Gemeinde, der Evangelist Johannes war ein großer Theologe, er durchdachte Himmel und Erde, Gott und Mensch in einer großartigen Schau und mutet uns damit einiges zu. Aber am Ende ist es etwas ganz einfaches, was er uns mitgibt. Anders all die anderen Evangelisten lässt er die Frauen und seinen Jünger nicht nur von Ferne das Geschehen auf Golgatha verfolgen, sondern stellt sie direkt unter das Kreuz. Und Jesus weist sie, Jesus und seinen Jünger, einander zu. „&#8217;Siehe Frau, dein Sohn!&#8216; Dann sagte er zu seinem Jünger, den er liebte, &#8218;siehe, deine Mutter!&#8217;“ Dies ist das letzte, was Johannes Jesus vor seinem Tod sprechen lässt. Und es ist wie ein Vermächtnis.</p>
<p>Menschen werden einander ans Herz gelegt. Miteinander verbunden. Menschen, unterschiedlich an Alter, an Herkunft, Geschlecht. Menschen, nicht blutsverwandt, werden zu einer Familie zusammen gefügt. Liebesverhältnisse werden begründet.<br />
„Wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm“, schreibt Johannes an einer anderen Stelle. Menschen werden einander anvertraut. Menschen, die gemeinsam um einen Toten trauern. So wie wir gemeinsam um unsere Toten trauern und fragen: was hat er dir bedeutet? Was hat er mir bedeutet? Und wir nehmen uns in den Blick. Und entdecken, die Liebe zu ihm verbindet uns miteinander.</p>
<p>Liebe Gemeinde, welche Bilder des gekreuzigten Christus tragen wir in uns? Vielleicht der gotische Christus, der Schmerzensmann, der bis ins letzte mit ins Leid und die Gottverlassenheit geht. Vielleicht der romanische Christus, der mir zeigt: die Mächte dieser Welt haben nicht das letzte Wort. Man darf die beiden Bilder nicht gegeneinander ausspielen.</p>
<p>Ein letzter Blick auf den Christuscorpus in der Tauf- und Traukirche. Etwas ist mit ihm geschehen. Im Laufe der Jahrhunderte ist er zweimal zerbrochen. Man hat ihn jedesmal wieder zusammengefügt. Doch so, dass man die Risse noch sieht. Und so sind in diesem hellen Christusleib noch Spuren der Zerstörung erkennbar. Wie verheilte Narben durchziehen sie seine rechte Seite. Eine gebrochene Figur, die dennoch nichts von ihrer Kraft verloren hat. Es ist, als rufe sie uns zu: „ich zerbreche nicht und ich lasse auch nicht zu, dass du zerbrichst.“ Seid getrost, ich habe die Welt überwunden.</p>
<p>Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft, er bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Ostermontag 2015<br />
Predigt über Lukas 24, 14-35<br />
Dompredigerin Petra Zimmermann</strong></p>
<p>Gnade sei mit euch und Frieden von dem, der da ist und der da war und der da kommt. Amen.<br />
Liebe Gemeinde, zwei Jünger sind auf dem Rückweg. Kleopas und ein Gefährte. Bloß weg von Jerusalem. Bloß weg von diesem Ort der Niederlage. Alles vorbei. Sie hatten mal ihre ganze Hoffnung zusammengekratzt und sich diesem Jesus von Nazareth angeschlossen. Schon damals waren sie gewarnt worden, dass das alles Unsinn sei. Schuster, bleib bei deinen Leisten, hatten sie zu hören bekommen. Den Kopf hatte man über sie geschüttelt. Nun kehren sie heim. So wie die kleinen Leute immer aus all den Kriegen und Revolutionen heimkehren. Nichts gewonnen aber viel Hoffnung verloren, und für den Spott werden die Nachbarn schon sorgen.</p>
<p>So geht man dahin. Auf staubigen Straßen. Zurück in die alten Verhältnisse. Und sie erinnern sich: weißt du noch? Weißt du noch, wie alles begann? Als Jesus zu den Fischern kam, und Petrus plötzlich volle Netze aus dem Wasser zog? Weißt du noch, wie er den Gelähmten heilte mit einem Wort? Weißt du noch wie wir aßen und tranken mit all den finsteren Gestalten, mit denen man sich zuvor nie freiwillig an einen Tisch gesetzt hätte? Alles schien möglich in diesen Tagen. Alles. Doch nun &#8211; vorbei. Der Mund, der so Ungeheuerliches gesagt hatte – verstummt. Die Hände, die so zärtlich sein konnten &#8211; von Nägeln durchbohrt. Alles vorbei. Er starb am Kreuz wie so viele vor ihm auch. Er war &#8211; Vergangenheit. Die Frauen hatten zwar gesagt, sie hätten von Engeln gehört, er lebe&#8230; Aber, mein Gott, was man so alles hörte in diesen Tagen. Weibergeschwätz! Die beiden Männer reden miteinander. Immerhin. Sie erinnern sich. Sie graben tief. Sie suchen nach dem Sinn der Geschichte. Und finden keinen.<br />
Dann stößt ein Ahnungsloser zu den Ahnungslosen. Kommt aus der Stadt und hat von all dem nichts gehört. Wo lebst du denn? Fragen sie ihn. In welcher Zeit, in welcher Welt, auf welchem fremden Stern? Hast du nicht mitbekommen, was geschah? Die ganze Stadt redet davon. Und sie beginnen, dem Fremdling ihre Welt zu erklären. Und ihre Zeit. Sie setzen ihn in Kenntnis. Nehmen ihn hinein in ihre Hoffnungen und Enttäuschungen, in ihre Zweifel. So wird er ihnen zum Zeitgenossen und zum Weggefährten. Aber erkennen tun sie ihn nicht. „Ihre Augen waren gehalten.“, wie es so schön heißt.</p>
<p>Liebe Gemeinde, wie ist das möglich? Frage ich Sie? Wie kann das sein, dass die beiden ihn nicht erkennen? Sie hatten doch mit ihm zusammen gelebt. Sie hatten ihm zugehört, seine Stimme vernommen, seine Gesten gesehen. Wir erkennen einen vetrauten Menschen doch häufig schon von ferne. An seinem Gang, wie er sich bewegt. Und die Stimme, die würden wir doch aus tausend anderen sofort heraushören. Doch sie sind wie blind und taub. Vielleicht ist der Grund dafür ihre ausweglose Trauer. Sie legt sich wie ein Panzer um sie. Manche von uns werden das vielleicht kennen. Nach einem Tod eines Angehörigen, der tief ins Leben hineinschneidet. Der einen wie abgeschnitten von der Welt sein lässt. Man muss sich hart machen, um überhaupt weiter leben zu können, irgendwie. Es ist als sei man nicht mehr erreichbar für die anderen. Und oftmals braucht es lange, bis die Stimmen wieder zu mir durchdringen und ich wieder zu fühlen beginne.</p>
<p>„Wir hatten gehofft, er sei es, der Israel erlösen sollte.“ Ein bitterer Satz. Darin die ganze Enttäuschung. Wir hatten geglaubt, er sei der Messias, der Gerechtigkeit bringen würde. Gerechtigkeit für die Armen. Brot für die Hungernden. Frieden für die Völker. Er war so viel mehr als eine persönliche Hoffnung für mein Leben. Mit ihm sollte die Welt neu werden und alle Tränen abgewischt. Doch nun bleibt die Welt wie sie ist, und alles geht weiter wie eh und jeh. Die einen auf Rosen gebettet und die anderen unten im Dreck. Die einen an den Hebeln der Macht und die anderen das Kanonenfutter ihrer Interessen. Und immer so weiter und weiter. Die Welt war nicht zu retten.<br />
Und so erzählen sie ihm von ihrer verlorenen Hoffnung. Und Er hört zu. Geht mit ihnen. Lässt sich nicht abschrecken von ihrer Verzweiflung. Und das ist ein Anfang. Und der Panzer bekommt einen ersten Riss. So wenn wir, stumm geworden von Kummer und sprachloser Trauer, jemandem begegnen, der nach uns fragt. Und wir langsam zu stammeln beginnen, und nach Worten suchen. Und dann kann es sein, es beginnt etwas zu fließen, Worte, Tränen. Noch ist die Dunkelheit nicht überwunden, aber ein Schimmer Hoffnung schiebt sich in den Horizont. Noch ist der Weg nicht erkennbar, aber die Füße beginnen zu gehen. Und beides ist gleichzeitig da.</p>
<p>Liebe Gemeinde, wir werden später die Kantate hören. „Erfreut euch, ihr Herzen, entweichet, ihr Schmerzen.“ Eine ganz besondere Osterkantate von Johann Sebastian Bach. Obwohl festlich und tänzerisch, wird die freudige Botschaft der Auferstehung mit einem dunklen Unterton versehen. Noch ringen Furcht und Hoffnung miteinander. Zwei Stimmen scheinen miteinander zu streiten. Und in einem Duett im Mittelteil wird das ganz ausdrücklich. Da singt die eine Stimme: Kein Auge sieht den Heiland auferweckt, es hält ihn noch der Tod in Banden. Und zugleich, nur leicht versetzt, widerspricht die andere: Mein Auge sieht den Heiland auferweckt, es hält ihn nicht der Tod in Banden. Das Ganze wird von der Musik als erregter Disput dargestellt. Und die Choralstrophe am Schluß beginnt zwar mit einem dreifachen Halleluja, doch das Ende ist eine nachdenkliche Bitte um Gottes Erbarmen.</p>
<p>Ja, so ist es wohl, am Ende kann man den ganzen Widerstreit zwischen Glauben und Zweifel, Hoffnung und Angst, der vermutlich in den meisten von uns hockt, nur dem Erbarmen Gottes anheim stellen. Mehr bleibt uns vorerst nicht. Weniger aber auch nicht.</p>
<p>Zurück zur Geschichte von Emmaus. Die Jünger erzählen. Und dann erzählt der Fremde. Und öffnet seine Welt vor ihnen. Zeit-Räume tun sich auf, die alles Gegenwärtige überschreiten. &#8218;Denkt an Mose und alle Propheten&#8216; sagt er. Und während er erzählt, tut sich hinter ihrer Geschichte eine andere Geschichte auf. Ihre persönliche Geschichte wird Teil einer großen Erzählung. Und die reicht weit zurück bis an die letzten Ränder einer unbegreiflichen Vergangenheit. Und reicht hinein bis in eine unvorstellbare, unerschlossene Zukunft. Musste nicht Christus dies erleiden und in seine Herrlichkeit eingehen? Weiter läßt sich der Bogen kaum spannen. Ein Muss, das offenbar dem Ursprung selbst eingeboren ist. Ein Muss, das nicht irgendwann und irgendwo dazwischen kommt und den Fortgang der Geschichte stört, sondern von dem diese Geschichte ihren Ausgang nimmt. Ein Muss, ohne das die sich nicht in Herrlichkeit vollenden kann. Die Geschichte der Jünger wird in eine große Erzählung gestellt, und der Fremde gibt ihnen damit einen ersten Schlüssel zum Verstehen an die Hand. Nach seiner Lesart ist ihre Geschichte durch den Tod Jesu nicht sinnlos geworden.</p>
<p>Dass Kleopas und sein Gefährte kaum etwas begreifen, kann nicht überraschen. Immerhin, eine Ahnung überkommt sie. Im Nachhinein werden sie es merken. „Brannte nicht unser Herz als er mit uns redete?“ Aus einer solchen Ahnung heraus laden sie den Fremden ein, über Nacht beim ihnen zu bleiben. Am Tisch, beim Abendbrot, scheint es, verstummen die Gespräche. Keine Fragen mehr, keine Verständnisbemühung, keine Begriffsgebäude. Nur dies. Er nahm er das Brot, dankte, brach&#8217;s und gab&#8217;s ihnen. Der Fremde hat etwas mitzuteilen, was jede Antwort, die er geben könnte, übersteigt &#8211; sich selbst. „Da wurden ihre Augen geöffnet, und sie erkannten ihn.“ und für einen kuzen Moment scheint es, als risse der Himmel auf. Alle Geschichten sind an ihrem Ziel. Zeit und Raum hören auf zu sein. Und Ahnung klärt sich zur Gewissheit. Er lebt.</p>
<p>Liebe Gemeinde, seit gestern Nacht hängt in der Tauf- und Traukirche ein neues Bild. Es ist von Max Beckmann. Ein kleines Wunder, dass das möglich wurde. Es ist eine Vorarbeit zu seinem berühmten Bild „Die Auferstehung“ und bislang kaum öffentlich zu sehen gewesen. Der untere Teil des Bildes ist in dunklen Farben gehalten. Menschen sind erkennbar. Die Gesichter schauen nach oben, werden geradezu hinaufgezogen. Arme recken sich empor. Als wollten sie hochgehoben werden. Hinauf in das Licht, das sich wolkig über ihnen öffnet. Im Zentrum des Bildes, fast schon hineingezogen ins Helle, ein Körper, goldfarben, wie von Engelsschwingen getragen. Andere folgen ihm, rechts und links. Mit Zug nach oben. Von einigen sind nur noch die Beine zu sehen, die Körper sind bereits in diesem Lichtbereich entschwunden. Nur einer von denen, die unten stehen, schaut nicht hinauf. Steht, frontal dem Betrachter zugewandt. Hält sich die Hände vors Gesicht, das nach unten schaut, als wolle er nicht teilhaben an dem Geschehen. Als schotte er sich ab, in sich selbst versunken. Mir kommt er vor, wie der Teil von uns, der sich vergraben möchte. Der nicht sehen kann, was geschieht. Dessen Augen gehalten sind. Wie lange wird er so stehen bleiben, während um ihn herum die Welt ins Licht gezogen wird?</p>
<p>Die Geschichte der Emmausjünger endet mit Aufbrüchen. Zur selben Stunde, also noch in der Nacht standen sie auf, machten sich auf den Weg. Zurück nach Jerusalem. Dorthin, wo scheinbar alles zu einem Ende kam und jetzt ein neuer Anfang auf sie wartet.</p>
<p>Die Wanderung nach Emmaus dauert länger als die beiden Stunden, die man für den Weg von Jerusalem in dieses Dorf benötigt. Sie dauert ein ganzes Leben. Sie führt durch Täler und manchmal über Höhen. Sie führt durch Wüsten und gelegentlich an Quellen. Manche Begegnungen schreiben sich ihr ein. Nehmen Einfluß auf Richtung und Ziel. Und manche Ahnung scheint auf. Wird vergessen. Und scheint oftmals erst in der Erinnerung wieder auf. Da war doch der Klang von Schritten neben mir, so als ginge ich nicht alleine durch die Nacht.</p>
<p>Eine Geschichte. Ein Gleichnis. Hilflose Zeichen für das, was sich so schwer fassen und noch schwerer beschreiben lässt. Künstler versuchen es. Und werfen uns eine Landschaft von goldenen Bonbons vor die Füße. Für euch. Nehmt sie. Ihr dürft sie essen. Langsam. Sie sind vergänglich, wie wir vergehen. Aber sie sind süß und nahrhaft und wecken eine kindliche Freude.</p>
<p>Komponisten versuchen es. Bach.<br />
„Jesus erscheinet, uns Frieden zu geben,<br />
Jesus berufet uns, mit ihm zu leben.</p>
<p>Täglich wird seine Barmherzigkeit neu.“ Wir hören es gleich.</p>
<div id="attachment_562" style="width: 410px" class="wp-caption alignleft"><img class="wp-image-562" src="http://du-sollst-dir-kein-bild-machen.de/wp-content/uploads/2015/03/Gartner-Marianna_Tattoed-Jesus_2004_Öl-und-Acryl-auf-Leinwand_90-x-65-cm_Olbricht-225x300.jpeg" alt="Marianna Gartner Tattoed Jesus, 2004 Öl und Acryl auf Leinwand  90 x 65 cm  Foto: Achim Kukulies, Düsseldorf Courtesy Olbricht Collection © Marianna Gartner" width="400" height="534" /><p class="wp-caption-text">Marianna Gartner<br /> Tattoed Jesus, 2004<br /> Öl und Acryl auf Leinwand<br /> 90 x 65 cm<br /> Foto: Achim Kukulies, Düsseldorf<br /> Courtesy Olbricht Collection<br /> © Marianna Gartner</p></div>
<p>Alles Annäherungen. Ahnungen vielleicht. Auch wir wissen ja nicht, in welcher Gestalt er uns begegenet. Wir stellen ihn uns zu ähnlich vor. Wir täuschen uns. In Emmaus kam er als Schriftgelehrter zu den Jüngern. Das nächste mal vielleicht als Bettler am Wegesrand. Oder mit Tatoos übersäht, auf der Brust die Schrift „Fool for love“. Sie werden das Bild nebenan entdecken. Die Erscheinungen fügen sich nicht in die Bilder, die wir uns von ihm machen. Er erscheint immer wieder neu.<br />
Manchmal freilich verdichtet sich die Ahnung zu einem Bild. Das brennt sich ein ins Herz. Für einen kurzen Augenblick haben wir Gewissheit. Sehen die Welt gleichsam von innen. Ganz. Und ungeteilt. Und können vielleicht wie die Jünger auf dem Weg sagen: das war er! Nicht, dass wir sein Bild dann hätten. Es hat uns. Und lässt uns so leicht nicht wieder los.<br />
Und der Friede Gottes, der höher ist als alle unsere Vernunft, er bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.</p>
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		<title>Predigten von Gründonnerstag und Ostersonntag</title>
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		<pubDate>Tue, 07 Apr 2015 10:16:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Achim Klapp]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Predigt]]></category>

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		<description><![CDATA[02.04.2015 Gründonnerstag Predigt zu 1. Kor 11, 23-36 Berliner Dom Domprediger Thomas C. Müller „Denn ich habe von dem Herrn empfangen, was ich euch weitergegeben habe: Der Herr Jesus, in der Nacht, da er verraten ward, nahm er das Brot, dankte und brach&#8217;s und sprach: Das ist mein Leib, der für euch gegeben wird; das [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><strong>02.04.2015 Gründonnerstag<br />
Predigt zu 1. Kor 11, 23-36<br />
Berliner Dom<br />
Domprediger Thomas C. Müller</strong></p>
<p>„Denn ich habe von dem Herrn empfangen, was ich euch weitergegeben habe: Der Herr Jesus, in der Nacht, da er verraten ward, nahm er das Brot, dankte und brach&#8217;s und sprach: Das ist mein Leib, der für euch gegeben wird; das tut zu meinem Gedächtnis. Desgleichen nahm er auch den Kelch nach dem Mahl und sprach: Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut; das tut, sooft ihr daraus trinkt, zu meinem Gedächtnis. Denn sooft ihr von diesem Brot esst und aus dem Kelch trinkt, verkündigt ihr den Tod des Herrn, bis er kommt.“</p>
<p>Liebe Gemeinde,</p>
<p>Erstes Bild:<br />
Ein Saal, gedeckte Tische. Kaffee und Streuselkuchen. Schnittchen. Gleich werden die Angehörigen nach der Trauerfeier zum Beerdigungskaffee eintreffen. Sie werden sich hinsetzen, erst noch stumm. Dann greifen alle zu. Die Spannung wird sich etwas lösen. Vielleicht ergreift noch einmal jemand das Wort. Erinnert sich an den Verstorbenen. Erinnert an den, der sich hier alle zusammen geführt hat. Ein Saal, gedeckte Tische. Ein stilles Bild von Normalität und Alltäglichkeit, aber in ihm verborgen die Wunde des Todes, der Abgrund der Abwesenheit. Einer sitzt nicht am Tisch. Niemals mehr.</p>
<div id="attachment_533" style="width: 226px" class="wp-caption alignleft"><img class="size-medium wp-image-533" src="http://du-sollst-dir-kein-bild-machen.de/wp-content/uploads/2015/03/Collishaw_Meal_Rusche-216x300.jpg" alt="Mat Collishaw The Last Meal on Death Row, Texas (Chester Wicker), 2011 c-prints auf Leinwand 64,8 x 47,5cm Courtesy Blain Southern Berlin und SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin © Mat Collishaw und VG Bild-Kunst, Bonn 2015" width="216" height="300" /><p class="wp-caption-text">Mat Collishaw<br />The Last Meal on Death Row, Texas (Chester Wicker), 2011<br />c-prints auf Leinwand<br />64,8 x 47,5cm<br />Courtesy Blain Southern Berlin und SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin<br />© Mat Collishaw und VG Bild-Kunst, Bonn 2015</p></div>
<p>„Denn so oft ihr von diesem Brot esst und aus diesem Kelch trinkt, verkündigt ihr den Tod des Herrn.“<br />
Zweites Bild: Auf einem Silberteller grüner Salat und Tomaten. Ein Ölgemälde, ein Stillleben im klassischen, realistischen Stil. „The last meal on Death Row.“ Eine Schwarz-Weiß-Abbildung des Gemäldes finden wir auf der 2. Seite des Gottesdienstprogrammes. Der Maler des Bildes, Mat Collishaw, provoziert uns mit Darstellung einer Henkersmahlzeit. Chester Wicker ermordete eine 22-jährige Frau. Vor seiner Hinrichtung äußert er einen letzten Wunsch, der ihm auch gewährt wird. Er wünscht sich einen Salat und Tomaten als letzte Mahlzeit. Auf dem Original des Bildes tritt das Grün behutsam aus dem dunklen Hintergrund hervor, das Rot sticht besonders ins Auge. Es steht in starkem Kontrast zu dem dunklen Hintergrund des Bildes. Auf den ersten Blick ein stilles Bild, auf den zweiten Blick ein Bild, das Extreme darstellt, ohne dass sie abgebildet werden: Das mörderische Verbrechen, das Warten des Mörders auf die Hinrichtung. Sein Wunsch nach Lebendigem, nach frischem Salat und der bizarre Widerspruch dieses Wunsches zu seiner Mordtat. Ohne das irgendeine Person dargestellt wird, können wir vor unserem inneren Auge all diejenigen dazustellen, die zu dieser Szene gehören: der Mörder, mit seinem Wunsch nach Leben, sein Opfer, das abgeschnitten wurde vom Leben, die traurigen und hasserfüllten Angehörigen der Opfer, die Richter, die Henker.<br />
„Denn so oft ihr von diesem Brot esst und aus diesem Kelch trinkt, verkündigt ihr den Tod des Herrn.“<br />
Auf dem Altar stehen Brot und Wein. Mit einem Mal alles gegenwärtig. Der Saal, in dem Jesus und die Jünger sind. Der Abend des Passafestes. Die Erinnerung an all die vielen Gastmähler an seiner Seite, in vielen ganz unterschiedlichen Häusern. Der Streit mit Gegnern, die Menschen, deren Gesichter Hoffnung und Zweifel, Verwunderung und Interesse spiegelten. Die Gespräche über das, was es bedeutet, dass Gott liebt. Die Angst der Jünger in diesen letzten Stunden. Die Gemeinschaft, die sich jetzt aufzulösen beginnt. Der Verräter, der mit am Tisch sitzt. Und die letzten Worte Jesu. Sein Erbe. Sein Testament. Bald wird er nicht mehr unter ihnen sein. Brot und Wein – ein einfaches Bild. Wofür steht es?<br />
„Denn so oft ihr von diesem Brot esst und aus diesem Kelch trinkt, verkündigt ihr den Tod des Herrn.“<br />
Brot und Kelch stehen auf dem Altar. Nur zwei Gegenstände vergegenwärtigen eine Situation der Vergangenheit. Am Gründonnerstag kommen wir zusammen und erinnern uns an einen, der gestorben ist. Wir erinnern uns an das letzte Mahl Jesu. Und indem wir das tun, was Jesus und die Jünger damals taten, das Brot miteinander teilen und den Kelch, verkündigen wir den Tod des Herrn. Es ist eine seltsame Formulierung: „verkünden wir den Tod des Herrn.“ Wir geben kund, dass einer gestorben ist. So krass der Unterschied zu den beiden anderen aufgerufenen Bildern ist, darin verbinden sie sich. Wir markieren die Lücke, die Abwesenheit, den leeren Raum, der dadurch entsteht, dass einer nicht da ist. Die Henkersmahlzeit des Chester Wicker stellt uns schmerzhaft die Abwesenheit eines gelingenden Lebens vor Augen. Der gedeckte Tisch beim Beerdigungskaffe – die Abwesenheit eines geliebten Menschen. Brot und Wein – verkündigen den Tod Jesu. Das Scheitern der Hoffnungen. Den Schmerz des Abschiedes. Die Leiden der Hinrichtung.<br />
Es sind drei kleine Worte, die den Unterschied ausmachen und die das ganze Bild in ein ganz anderes Licht tauchen. Drei kleine Worte, die alles verändern. Die aus Scheitern ein Loslassen machen, dass tiefer blickt und um den weiß, der auffängt. Aus Abschiednehmen ein Ausblick. Aus sinnlosem Leiden Hingabe für alle. Sie machen aus dem Teilen von Brot und Wein ein Sakrament. Sie beschreiben ein Feld, das die Grenzen dieser Welt überschreitet. Es sind drei Worte, die einem eine Gänsehaut machen können, wenn man wirklich hört, was sie sagen. Es sind die Worte: „bis er kommt.“ „… verkünden wir den Tod des Herrn, bis er kommt.“</p>
<p>Was mag das wohl heißen: „bis er kommt“? Was für ein Bild müsste man mahlen, um das auszudrücken? Vielleicht wäre es gar kein anderes Bild. Immer noch ständen Brot und Wein auf einem Tisch. Aber diesmal nicht gesehen als Gegenstände, die einmal aus der Hand gelegt wurden und so auf etwas hinweisen, was vergangen ist, sondern als Gegenstände, die einmal von neuem ergriffen werden. Die Gegenstände, die für die Abwesenheit und die Erinnerung an Vergangenes stehen, werden zu Platzhalter für etwas, was wir nicht sehen, denken und darstellen können, aber die Lücke freihalten, für etwas, was sein wird.<br />
„Denn so oft ihr von diesem Brot esst und aus diesem Kelch trinkt, verkündigt ihr den Tod des Herrn, bis er kommt.“<br />
Wenn wir gleich das Abendmahl miteinander feiern, dann verbinden wir uns mit der Erinnerung an einen Toten, aber auch mit der Hoffnung, dass er als der Lebendige einmal die Lücke zwischen uns betreten wird und wir um ihn herum ist schon beieinander bleiben können.<br />
Denn auf dem Bild, auf dem Brot und Wein zu sehen sind, dürfen wir auch uns selbst dazu denken. Nicht nur Jesus, nicht nur die Jünger. Dieses Bild von Brot und Wein ist ein Zukunftsbild, in das wir uns mit hineinglauben können. In dem wir das Brot essen und den Kelch teilen, werden wir Teil einer Geschichte, die weitergeht.<br />
Jeder von uns trägt eine solche Geschichte mit diesem abwesend Anwesenden in sich, und sei es auch noch so winzige und unvollständige, abgebrochene Geschichte. Jeder von uns hat eine leere Stelle in sich, die nur ER ausfüllen kann.</p>
<p>„Denn so oft ihr von diesem Brot esst und aus diesem Kelch trinkt, verkündigt ihr den Tod des Herrn, bis er kommt.“<br />
Seine Geschichte mit uns ist nicht zu Ende ist, sondern führt uns weiter, hinaus, weit hinaus.<br />
Amen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>05.04.2015 Ostersonntag 18 Uhr<br />
Berliner Dom<br />
Domprediger Thomas C. Müller<br />
Predigt über 1. Korinther 15, 1-11</strong></p>
<p>„Ich erinnere euch aber, liebe Brüder, an das Evangelium, das ich euch verkündigt habe, das ihr auch angenommen habt, in dem ihr auch fest steht,<br />
durch das ihr auch selig werdet, wenn ihr&#8217;s festhaltet in der Gestalt, in der ich es euch verkündigt habe; es sei denn, dass ihr umsonst gläubig geworden wärt.<br />
Denn als Erstes habe ich euch weitergegeben, was ich auch empfangen habe: Dass Christus gestorben ist für unsre Sünden nach der Schrift;<br />
und dass er begraben worden ist; und dass er auferstanden ist am dritten Tage nach der Schrift; und dass er gesehen worden ist von Kephas, danach von den Zwölfen.<br />
Danach ist er gesehen worden von mehr als fünfhundert Brüdern auf einmal, von denen die meisten noch heute leben, einige aber sind entschlafen.</p>
<p>Danach ist er gesehen worden von Jakobus, danach von allen Aposteln.<br />
Zuletzt von allen ist er auch von mir als einer unzeitigen Geburt gesehen worden.<br />
Denn ich bin der geringste unter den Aposteln, der ich nicht wert bin, dass ich ein Apostel heiße, weil ich die Gemeinde Gottes verfolgt habe.<br />
Aber durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin. Und seine Gnade an mir ist nicht vergeblich gewesen, sondern ich habe viel mehr gearbeitet als sie alle; nicht aber ich, sondern Gottes Gnade, die mit mir ist. Es sei nun ich oder jene: so predigen wir und so habt ihr geglaubt.“</p>
<p>Liebe Gemeinde,</p>
<p>in der Mitte des Bildes schraubt sich eine Lichtsäule in die Höhe. Mitten darin Menschen. Manche stehen noch unten und blicken hinauf, andere schweben schon nach oben. Ihre Gesichter drücken Überraschung, Erschrecken oder Entzücken aus. Eine dramatische Szene, die die Grenzen dieser Welt sprengt. „Auferstehung“ heißt das vom expressionistische Maler Max Beckmann 1908 gemalte Ölbild. Eine Vorstudie zu diesem Bild ist in unserer Ausstellung „Du sollst Dir k()ein Bild machen“ in der Tauf- und Traukirche zu sehen. Beide Bilder sind auf der zweiten Seite des Liedprogrammes abgebildet. Im harten Kontrast zu diesem überweltlichen Lichtereignis stehen die Personen am unteren Bildrand. Max Beckmann hat Menschen, die er kannte, in das Bild eingefügt: einen Freund, seine Frau, ihre Mutter. Sie sind in Abendgarderobe gekleidet, in Smoking und Abendkleid. Eine schaut nach oben, eine nachdenklich nach unten. Max Beckmann hat sich auch selbst in das Bild hineingemalt. Er steht am äußersten linken Bildrand, schaut fast desinteressiert zur Seite und hält eine Zigarette in der Hand. Das dramatische Geschehen der Auferstehung der Toten und die abgeklärte Gegenwartsdarstellung – diese Gegenüber drückt etwas von dem Zwiespalt aus, der uns bis heute beschäftigt. Wir feiern Ostern, die Auferstehung Jesu. Wir rufen: „Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden.“ Wir feiern in diesem Gottesdienst ein Ereignis, das in jeder Hinsicht den Rahmen sprengt. Und gleichzeitig sind wir moderne Menschen. Wir leben als Realisten. Der Rahmen, in dem wir leben, ist die Spanne zwischen Geburt und Tod.</p>
<div id="attachment_620" style="width: 238px" class="wp-caption alignleft"><a href="http://du-sollst-dir-kein-bild-machen.de/wp-content/uploads/2015/04/Bildschirmfoto-2015-04-07-um-12.51.12.png" rel="lightbox-0"><img class="size-medium wp-image-620" src="http://du-sollst-dir-kein-bild-machen.de/wp-content/uploads/2015/04/Bildschirmfoto-2015-04-07-um-12.51.12-228x300.png" alt="Max Beckmann Auferstehung (Entwurf), 1907 Ölskizze 89 x 67,5 cm Courtesy Privatsammlung © Max Beckmann und VG Bild-Kunst, Bonn 2015" width="228" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Max Beckmann<br />Auferstehung (Entwurf), 1907<br />Ölskizze<br />89 x 67,5 cm<br />Courtesy Privatsammlung<br />© Max Beckmann und VG Bild-Kunst, Bonn 2015</p></div>
<p>Max Beckmann steht als Mensch in seiner Zeit am Rande des Auferstehungsgeschehens. Welche Haltung nehmen wir ein zu dem, was wir hier feiern. Hören wir fasziniert vom dem Leben, das den Tod überwand? Oder stehen wir zweifelnd davor, unschlüssig?<br />
„Ich erinnere Euch an das Evangelium, dass ich Euch verkündet habe“, schreibt Apostel Paulus an die korinthischen Christen. Auch er hat in dieser Gemeinde mit einer zunehmenden Skepsis gegenüber dem Glauben an die Auferstehung Jesu zu kämpfen. Man merkt der Leidenschaft seiner Argumentation an, wie wichtig ihm dieser Punkt ist. Er versucht aus Menschen, die daneben stehen, Menschen zu machen, die sich mit hinein nehmen lassen in diesen Strom des Lichts, der zum Leben führt.</p>
<p>Er schreibt:<br />
„Denn als erstes habe ich Euch weitergegeben, was ich auch empfangen habe: dass Christus gestorben ist für unsere Sünden nach der Schrift, dass er begraben worden ist; und dass er auferstanden ist am dritten Tage nach der Schrift; und dass er gesehen worden ist von Kephas, danach von den zwölf.“<br />
Liebe Gemeinde, wir glauben an die Gesetzmäßigkeit der Welt und des Lebens. Wir benutzten Kühlschränke, Computer und Handys. Sie sind kein Hexenwerk, sondern das Ergebnis von Rationalität und Wissenschaft. All das prägt unser Denken. Wir wissen: Wasser fließt nach unten. Ein Stein fällt zu Boden. Dinge enden. Der Mensch stirbt. Der skeptische Realist in mir sagt: „Das ist das einzige, was zählt. Zuletzt verschwindet alles im schwarzen Loch. Du kannst dich jetzt noch so abstrampeln und aufbäumen. Alles wieder niedergelegt, verklingt, alles ist nur ein kurzes Zucken vor dem endgültigen Schweigen. Vergiss Sinn und Bedeutung. Vergiss die höheren Werte, nimm, was du kriegen kannst.“ Aber es gibt diese andere Stimme, die an uns herantritt. Es ist die Stimme der Überlieferung. Sie wirkt in ihren Formulierungen für manche Ohren unzeitgemäß, aber sie erinnert uns an das, was andere vor uns erfahren und mit ihrem Leben bezeugt haben. „Dass er auferstanden ist nach der Schrift; und dass er gesehen worden ist von Kephas, danach von den Zwölfen.“ Schon Paulus zitiert ein Bekenntnis, das er selbst empfangen hat. Die alten Bekenntnisse sind nicht alt, sondern halten eine Gegenstimme. Sie sagt, dass das Leben mehr ist. Dass in Jesus die Spitze eines Eisbergs zu sehen ist, die den Blick auf das Ganze verändert. Hinter dem Bekenntnis stehen Menschen, die ihr Leben dafür eingesetzt haben, die Auferstehung zu bezeugen. Sie haben es nicht dahingesagt. Sie waren selbst sehr ängstlich und haben sich lange nicht getraut, davon zu reden, was ihnen da begegnet ist. Was auch immer wir selbst glauben, wir müssen ernstnehmen: Es gab Menschen, die selbst jedenfalls der Überzeugung waren, dass ihnen etwas begegnet ist, was jeden Rahmen sprengt. Und die daraus radikale Konsequenzen gezogen haben. Ob ich ihnen vertraue, ist noch nicht ausgemacht. Aber ich höre ihre Stimme und sie werden Teil meiner inneren Diskussion.</p>
<p>„Danach ist er gesehen worden von mehr als fünfhundert Brüdern auf einmal, von denen die meisten noch heute leben, einige aber sind entschlafen. Danach ist er gesehen worden von Jakobus, danach von allen Aposteln.“<br />
Nach dem Hinweis auf das Ur-Bekenntnis der ersten Christenheit führt Paulus weitere Zeugen an. Heute sind wir in einer grundsätzlich anderen Situation. Es gibt keine Augenzeugen, die wir befragen könnten. Und dennoch: Wenn ich überlege, was mich aus einer skeptischen Distanz etwas näher an das Geschehen heranrückt, dann ist es nicht nur das Bekenntnis der Kirche, das uns bis heute erreicht. Es sind die Menschen, die es mit Leben erfüllen. Die im Vertrauen darauf, dass in Jesus Christus das Leben stärker ist als der Tod, tatsächlich erfahren, dass sich schwere oder gar aussichtslose Situation in Richtung Leben neigen können. Sie bezeugen die Gegenwart einer Lebenskraft, die sich nicht brechen lässt. Mir steht eine alte Frau vor Augen, deren Körper immer schwächer wird, aber je näher sie dem Tod kam, umso gewisser wurde sie, dass sie ins Licht gehen würde, nicht ins Dunkel. Da ist das Lebenszeugnis afrikanischer Christinnen, die am Grab eines Verstorbenen frohe Tänze in bunten Kleidern tanzen, weil für sie das neue Leben ganz real und spürbar ist. Da ist das Lebenszeugnis derer, die mitten im Leben niederdrückenden Mächten des Todes aus der Kraft ihres Glaubens entgegentreten und aufstehen. Sich nicht unterkriegen lassen, weil sie glauben, dass es am Ende einen Unterschied ausmacht, ob man an das Leben glaubt oder an den Tod.</p>
<p>Diese Lebenszeugnisse von realen Menschen haben einen Einfluss auf das, was ich glaube und lebe. Der Philosoph Sören Kierkegaard nannte das Existenzmitteilung. Das, worauf ich innerlich vertraue, worauf ich mein Leben baue, worauf mein inneres Koordinatensystem gründet, das gewinne ich durch die Begegnung mit Menschen, denen ich abnehme, dass sie selbst etwas trägt. Ob ich ein Mensch werde, der der Durchsetzungskraft des Lebens mehr traut als dem Tod, das entscheidet sich nicht durch Faktencheck und Internetrecherche, sondern durch Begegnung mit Menschen. Ihr Zeugnis lässt mich auf all das aufmerksam werden, was den Rahmen meines sogenannten Realismus immer wieder sprengt. Lässt mich die Spuren aufspüren, die vom Leben zeugen. So merke ich auf, werde sensibel für die Erfahrung, die sich nicht einfach einpassen lassen in mein Weltbild. Wer glaubt, sieht mehr. Gibt es das nicht: eine Liebe, die so stark ist, dass sie selbst über Raum und Zeit hinweg Menschen miteinander spürbar verbindet? Gibt es das nicht: Traumbilder der Hoffnung, die in Menschen aufscheinen auch in ausweglosen Situationen; und dann verändert sich plötzlich auch im äußeren Leben etwas? Die Zeugen des Lebensmacht Gottes setzen ein weiteres Fragezeichen hinter meine Skepsis. Könnte es doch wahr sein? Könnte statt des Nichts eine Überschreitung und Verwandlung auf uns warten? Und kann diese Ahnung nicht aus uns solche Menschen machen, die der Spur des Lebens folgen? Eine Spur, die kein Leid, kein Krieg, kein Schicksalsschlag auslöschen kann? Gerade in Zeiten, in denen sich so viel Destruktives, Bösartiges, Tragisch-Abgründiges zeigt, wie in der Gegenwart, wie in diesen Tagen, ist es wichtiger denn ja, den Blick für diese Spur des Lebens zu bewahren.</p>
<p>„Zuletzt von allen ist er auch von mir als einer unzeitigen Geburt gesehen worden. „Aber durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin.“<br />
Zum Schluss bringt sich Paulus selbst als Zeuge ins Gespräch. Er berichtet davon, dass er selbst gewissermaßen durch ein ihn völlig aus der Bahn werfendes Ereignis ein für alle Mal aus der Distanz herauskatapultiert worden ist.</p>
<p>Paulus wird so selbst zum Zeugen, nämlich dafür, dass wir nur dann eine Beziehung zum Auferstehungsglauben bekommen, wenn wir selbst berührbar geworden sind. Spätestens in dem Augenblick, wo es für uns in unserem Leben wirklich um Sein oder Nichtsein geht, spätestens dann, werden wir aus unserer Distanz herausgeholt.<br />
Wenn uns Glück versagt bleibt, Krankheit, Trennung, innere Not uns heimsuchen, stellt sich die Frage, der wir nicht ausweichen können: Wollen wir es wagen uns dem Kraftfeld des Lebens anzuvertrauen, das sich nicht eingrenzen lässt auf das, was wir für möglich halten, oder geben wir uns dem Gefälle preis, das uns und alle Dinge im Abgrund des Nichts verschwinden lässt. Paulus kämpft leidenschaftlich für den Osterglauben, denn seine Erfahrung war: In dem Augenblick, in dem er die Kontrolle verlor und sich in Gottes Hände fallen ließ, wurde er emporgehoben.</p>
<p>„So predigen wir, und so habt ihr geglaubt.“<br />
Paulus erinnert uns daran, dass der Glaube an die Auferstehung ein begründeter und belastbarer Glaube ist. Kein Hirngespinst, kein Mythos, keine bloße Poesie. Ein Wagnis bleibt der Glaube, aber Paulus bezeugt, dass er trägt, wenn man den Fuß auf das Zeugnis der Zeugen setzt. Die Leidenschaft, mit der er für diesen Glauben wirbt und einsteht, beeindruckt mich auch heute noch. Natürlich: Immer noch und immer wieder gibt es auch die Stimmen, die in mir zweifeln. Osterglauben bedeutet nicht die Stimmen des Zweifelns mundtot zu machen. Es bedeutet, den anderen Stimmen, die Stimmen des Lebens, Raum zu geben. Wir dürfen sicher sein: Sie werden stärker, nicht schwächer, mit jedem Schritt, den wir im Glauben und Vertrauen hinein ins Leben wagen.<br />
Amen.</p>
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		<title>Predigt Palmarum</title>
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		<pubDate>Mon, 30 Mar 2015 14:45:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Achim Klapp]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Predigt]]></category>

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		<description><![CDATA[Der katholische Pater Georg Maria Roers SJ predigte im evangelischen Dom zu Berlin aus Anlass der Ausstellung ‚Du sollst Dir (k)ein Bild machen‘. Liebe Christen! Im evangelischen Gesangbuch finden sich so wunderschöne Lieder, dass das ein oder andere davon auch im Gotteslob der Katholischen Kirche gelandet ist. Eines davon trägt den Titel: O Welt, ich [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Der katholische Pater Georg Maria Roers SJ predigte im evangelischen Dom zu Berlin aus Anlass der Ausstellung ‚Du sollst Dir (k)ein Bild machen‘.<span id="more-549"></span></p>
<p>Liebe Christen!</p>
<p>Im evangelischen Gesangbuch finden sich so wunderschöne Lieder, dass das ein oder andere davon auch im Gotteslob der Katholischen Kirche gelandet ist. Eines davon trägt den Titel: O Welt, ich muss dich lassen. (GL 510)</p>
<p>„O Welt, ich muss dich lassen, ich fahr dahin mein Straßen ins ewig Vaterland. /<br />
Mein Geist will ich aufgeben, dazu mein Leib und Leben legen in Gottes gnädig Hand.</p>
<p>Mein Zeit ist nun vollendet, der Tod das Leben endet, Sterben ist mein Gewinn. /<br />
Kein Bleiben ist auf Erden, das Ewge muss mir werden; mit Fried und Freud ich fahr dahin.</p>
<p>Auf Gott steht mein Vertrauen, sein Antlitz will ich schauen wahrhaft durch Jesus Christ, /<br />
der für mich ist gestorben, des Vaters Huld erworben und so mein Mittler worden ist.“</p>
<p>Gibt es ein schöneres Lied, das zu dem Sterbezyklus aus dem Jahr 2005 von Herlinde Koelbl passt? Wer hat schon einmal erlebt, wie ein Mensch aus dieser Welt ins Jenseits scheidet? Diesen Moment wird man als einen Akt der Gnade Gottes bezeichnen und ganz besonders im Gedächtnis behalten, denn wo er oder sie das Leben ausgehaucht hat, da geschieht etwas Einmaliges. Es ist ein wenig so wie wenn der göttliche Atem, der uns seit Adam und Eva eingehaucht ist, wieder zurückkehrt in die Atmosphäre oder wie es heute heißt, in die Biosphäre, die Gott uns bereitet hat. Wie gefährdet diese ist, wird uns fast täglich vor Augen geführt. Die Bewegung der Grünen in den 80er Jahren hat unser Bewusstsein geschärft, aber hat sie unseren Lebensstil verändert? Leben wir Menschen heute auf unserem Globus nachhaltiger? Nicht umsonst bereitet Papst Franziskus I. gerade eine sogenannte Enzyklika vor, in der er Stellung nehmen wird zum Klimawandel. Vielleicht wird sie „Dominium terrae“ (Herrschaft über die Erde) heißen, um an das erste Buch der Bibel, das Buch Genesis anzuknüpfen (1,28). Der Psalmist betet zu Gott: „Du hast ihn als Herrscher eingesetzt über das Werk deiner Hände, hast ihm alles zu Füßen gelegt“ (Ps 8,7).</p>
<p>Was haben wir Menschen aus der Schöpfung Gottes gemacht? Das ist nicht nur Thema der Ausstellung Du sollst dir (k)ein Bildnis machen, sondern auch Thema der Passionszeit. Nicht umsonst ist die erste Bitte Jesu am Kreuz: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!“ (Lk 23, 34).</p>
<p>Die Karwoche beginnen wir mit Palmarum, dem Palmsonntag. Dieser Tag stellt uns den dramatischen Bogen der kommenden Woche in Kurzform vor Augen. Wir feiern Jesus als den König, der auf einem Füllen in Jerusalem einzieht. In der Lutherbibel werden die Nachkommen der Esel als Füllen bezeichnet. Ein König auf einem Esel? Ist das nicht eher eine Karikatur eines Königs, der so daherkommt? Kein Wunder, wenn wir in der Bibel immer wieder lesen: „Das alles verstanden seine Jünger zunächst nicht“ (Joh 12,16).</p>
<p>In manchen christlichen Gemeinden wird am Palmsonntag, also zu Beginn der Karwoche das folgende Lied gesungen: „Macht hoch die Tür, die Macht hoch die Tür, die Tor macht weit, es kommt der Herr der Herrlichkeit, ein König aller Königreich, ein Heiland aller Welt zugleich, der Heil und Leben mit sich bringt, derhalben jauchzt, mit Freuden singt. Gelobet sei mein Gott, mein Schöpfer reich von Rat“ (GL 218). Ein Adventslied zu Beginn der Karwoche? Ja!</p>
<p>Deshalb findet sich das Lied auch im evangelischen Gesangbuch unter der Nr. 1 im Advent, womit das neue Kirchenjahr beginnt. Aber es passt eben auch sehr gut zum Einzug Jesu in Jerusalem. Aber von welchem König ist hier eigentlich die Rede? Und mit Blick auf das heutige Jerusalem könnte man ganz aktuell fragen: Welches Jerusalem ist gemeint? Was wäre, wenn Jesus heute auf einem jungen Esel in diese Stadt einziehen würde? Würde sich die Szene von vor 2000 Jahren wiederholen?</p>
<p>Wer heute über Jerusalem, insbesondere über den Tempelberg in Jerusalem nachdenkt, sind vor allem radikale Leute. Einige wenige Muslime wollen am liebsten auf dem Tempelberg eine einzige riesige Moschee errichten und alles andere dort abreißen. Einige wenige Juden möchten den Tempelberg zu dem machen, was er immer schon war, ein Heiligtum der Juden und sonst nichts. Sie wollen nicht immer nur an der Klagemauer beten müssen. Und was einige radikale Christen auf dem Tempelberg wollen, dass möchte ich mir erst gar nicht vorstellen. Es braucht nur ein Funken überzuspringen, das Gleichgewicht wäre dahin.</p>
<p>&nbsp;</p>
<div id="attachment_513" style="width: 510px" class="wp-caption alignnone"><img class="wp-image-513" src="http://du-sollst-dir-kein-bild-machen.de/wp-content/uploads/2015/03/taysir-batniji-gaza-walls-male-face-2-1024x680.jpeg" alt="Taysir Batniji, Gaza Walls , 2001, 59 x 80 cm, © Taysir Batniji, Courtesy Künstler und Sfeir-Semler Galerie Hamburg / Beirut" width="500" height="332" /><p class="wp-caption-text">Taysir Batniji, Gaza Walls , 2001, 59 x 80 cm, © Taysir Batniji, Courtesy Künstler und Sfeir-Semler Galerie Hamburg / Beirut</p></div>
<p>Die Serie <em>Gaza Walls</em> von Taysir Batniji würde vermutlich um eine neue Serie von Opfern erweitert, auch die Serie Soldiers von Rami Maymon, die jüdischen Soldatinnen fotografiert hat, schöne Frauen in Soldatenuniform. Sie würden dann vermutlich als effektive Kräfte im Einsatz gezeigt. Beide Serien Gaza Walls und Soldiers sind in der aktuellen Hängung der Ausstellung zu sehen. Sie rahmen gewissermaßen die beiden Toten, von denen Eingangs schon die Rede war: Mann und Frau sind friedlich eingeschlafen. Ihre Gesichtszüge machen die Würde des Menschen auf anschauliche Weise fassbar. Die Würde ist unantastbar, so versichert es uns das Grundgesetz. Aber was gelten Gesetze in Gebieten von Bürgerkrieg und Chaos?</p>
<p>„Wer ist der König der Herrlichkeit? Der Herr, stark und gewaltig, der Herr, mächtig im Kampf. Ihr Tore, hebt euch nach oben, hebt euch, ihr uralten Pforten, denn es kommt der König der Herrlichkeit“ (Ps 24 8.f). Auf diesen Psalm spielt das Lied an, dessen erste Strophe wir gerade gesungen haben. Gott ist der Herr, der Herrscher des Himmels und Erde! Aber Jesus, ist auch ein absoluter Gott, ein absoluter König, ein Souverän? Würde man einen König an Karfreitag kreuzigen? Diese Frage stellt Pilatus an Karfreitag: „Euren König soll ich kreuzigen?“ Diese Frage wird im Johannesevangelium (19,15) gestellt. Das neue, zweite Testament beginnt bei Matthäus mit dem Satz: „Stammbaum Jesu Christi, des Sohnes Davids, des Sohnes Abrahams“ (Mt 1,1). Tatsächlich ist Jesus der König der Juden, er sagt es ja im Verlauf vom Prozess selber. Das ist ja der Grund dafür, warum er so grausam erniedrigt, gefoltert und hingerichtet wird. Pilatus bestätigt dieses Urteil, obwohl er Jesus dem Volk zunächst vorstellt als: ECCE HOMO. Das wurde vom Volk als eine Provokation empfunden: „Sehet, welch ein Mensch“, so übersetzt es Martin Luther. Kaum ein Maler hat dieses Motiv bis ins 19. Jahrhundert hinein ausgelassen. Ein König mit Dornenkrone? Die Kunst und das Drama lebt von solchen Gegensätzen, es fordert die Künstler und Künstlerinnen ganz besonders heraus.</p>
<p>Das Königtum Jesu besteht nicht darin, sich in Prunk und in Würden zu gefallen, wie etwa König Herodes und die meisten Könige dieser Welt. Er wäscht beim letzten Abendmahl nicht nur den Jüngern, sondern auch seinem Verräter die Füße. Kein irdischer König würde das machen. Viele der Mächtigen haben geglaubt, höher zu stehen als die göttliche Majestät Jesu Christi. Aber er ist eben auch kein König von dieser Welt. Wer aber spricht von Jesus heute als die göttliche Majestät an? Das liegt weder im Bereich der Gewohnheit heutiger Christen, noch im tatsächlichen Vollzug unserer persönlichen Gebete. Selbst im sonntäglichen Gottesdienst kommt es kaum oder gar nicht vor.</p>
<p>Das war in früheren Jahrhunderten ganz anders. Der Ordensgründer der Jesuiten, Ignatius von Loyola (1491-1556), hat sich einmal in die drei göttlichen Personen hineingedacht. In seiner berühmten Betrachtung von der Menschwerdung soll der Beter sich in diese drei göttlichen Personen hineinfühlen: „Hören, was die göttlichen Personen sagen, nämlich: Lasst uns die Erlösung des Menschengeschlechts verwirklichen“ (GÜ 107). Die drei göttlichen Personen haben also beschlossen, dass Jesus Mensch wird, um die Sünden der Welt auf sich zu nehmen und damit wieder jenen Zustand herzustellen, der einst vor dem Sündenfall der ersten Menschen bestand. Erst dann macht der Satz wieder Sinn, dass wir nach dem Abbild Gottes geschaffen wurden (Gen1,26). Damit hat das Thema der Ausstellung Du sollst dir (k)ein Bildnis machen zutiefst zu tun.</p>
<p>Um es mit einem Text aus dieser Kirche zu sagen, den die Engel im Chorbogen tragen: „Lasset Euch Versöhnen mit Gott.“ Das fast unser Bemühen in der Fastenzeit, besonders in der Karwoche, gut zusammen. Genau darin besteht das Königtum Jesu: er ist demütig, er ist ein Diener, er lässt sich verleugnen, er erträgt Hohn und Spott. Nicht Gold und Pracht, -und das sage ich nicht nur in dieser prachtvollen Kirche &#8211; , sondern Armut und Empathie ist ihm Herzensangelegenheit. Er ist gleichmütig und geduldig und lässt sich mit einer Dornenkrone ’schmücken’. In den Geistlichen Übungen des Ignatius, die man in aller Abgeschiedenheit machen sollte, geht es genau darum: den Ruf dieses Königs zu hören. Es ist der König, der auf einem Esel in Jerusalem einreitet.</p>
<p>Deshalb können wir im Advent und am Beginn der Karwoche auch die letzte Strophe von Lied 1 im Evangelischen Gesangbuch mitsingen: „Komm, o mein Heiland Jesu Christ, meins Herzens Tür dir offen ist. Ach zieh mit deiner Gnade ein, dein Freundlichkeit auch uns erschein. Dein Heilger Geist uns führ und leit den Weg zur ewgen Seligkeit. Dem Namen dein, o Herr, sei ewig Preis und Ehr.“</p>
<p>Pater Georg Maria Roers SJ<br />
Berliner Dom / Palmarum 2015</p>
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		<title>Mittagsandacht</title>
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		<pubDate>Wed, 11 Mar 2015 07:30:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Achim Klapp]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Ausstellung]]></category>
		<category><![CDATA[Predigt]]></category>

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		<description><![CDATA[Mittagsandacht am 12. und 13. März über Jesaja 64, 7: „Aber nun Herr, du bist doch unser Vater! Wir sind Ton, du bist unser Töpfer und wir alle sind deiner Hände Werk“ von Domprediger Michael Kösling im Rahmen der Ausstellung Sie sind alt und liegen da wie zusammengefegter Kehricht. Überbleibsel eines ärgerlichen Missgeschicks. Hunderte Scherben. Kleine und [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.berlinerdom.de/content/view/97/164/lang,de/" target="_blank">Mittagsandacht</a> am 12. und 13. März über Jesaja 64, 7: „Aber nun Herr, du bist doch unser Vater! Wir sind Ton, du bist unser Töpfer und wir alle sind deiner Hände Werk“ von Domprediger <a href="http://www.berlinerdom.de/content/view/115/205/lang,de/" target="_blank">Michael Kösling</a> im Rahmen der Ausstellung<br />
<span id="more-438"></span></p>
<div id="attachment_454" style="width: 310px" class="wp-caption alignleft"><img class="size-medium wp-image-454" src="http://du-sollst-dir-kein-bild-machen.de/wp-content/uploads/2015/03/koesling800x600-300x225.jpg" alt="Domprediger Michael Kösling" width="300" height="225" /><p class="wp-caption-text">Domprediger Michael Kösling</p></div>
<p>Sie sind alt und liegen da wie zusammengefegter Kehricht. Überbleibsel eines ärgerlichen Missgeschicks. Hunderte Scherben. Kleine und große. Sie liegen auf dem harten Stein. Jetzt müsste eigentlich jemand kommen, mit Kehrblech und Besen und sie entsorgen. Augenscheinlich nutzloser Müll liegt da zu Füßen des Besuchers. Ein Irrtum. Ja was für einer! Die Scherben einer 2000 Jahre alten Urne aus der chinesischen Han Dynastie sind wertvoll. Wertvoller, als Sie denken. Nicht nur, weil der chinesische Künstler <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Ai_Weiwei" target="_blank">Ai Weiwei</a> sie aus seinen Händen <a href="http://dailyserving.com/wp-content/uploads/2010/07/ai-urn02.jpg" target="_blank" rel="lightbox-0">- absichtlich – fallen ließ</a>, und sie so zu Kunst wurden. Sie sind wertvoll als ein Bild, dass unsere Verletzlichkeit zeigt.</p>
<p>Unsere menschliche Existenz zwischen Anspruch und Wirklichkeit, zwischen Traum und Wachen. Das Leben ändert sich in einem Augenblick. Es entgleitet uns aus unseren Händen und was schön war und von Nutzen, zerbricht und ist tot. Es liegt da – unzählige Scherben. Wer setzt es jetzt wieder zusammen?</p>
<p>Dazu bedarf es nur eines Blickes. Gegenüber, am andere Ende des Ausstellungsraumes steht erhaben und schön die Tulpenvase der südkoreanischen Meisterin <a href="http://www.welt.de/regionales/duesseldorf/article114940272/Die-Toepferwerkstatt-von-Young-Jae-Lee.html" target="_blank">Young-Jae Lee</a> aus dem Jahr 2014. Zerbrechlich und erhaben und wunderschön steht sie auf ihrer Stele. Dazwischen, zwischen den Zeiten, den Jahrtausenden, wir Menschen. Gottes Hände Werk: Aber nun, Herr, du bist doch unser Vater! Wir sind Ton, du bist unser Töpfer und wir alle sind deiner Hände Werk. Unsere menschliche Existenz. Der Prophet Jesaja beschreibt sie im Bild vom Töpfer und seinem Werk.</p>
<p>Wir Menschen lieben das Schöne und wir wollen es: schöne Musik und schöne Körper, schöne Gedanken und schöne Formen. Wir schauen uns danach um und wir begehren sie und bewahren sie und finden darin die Spuren Gottes, unseres Schöpfers, der uns gemacht hat und dem wir uns verdanken. Wir finden darin den Traum, den Gott von uns träumt. Und damit nicht genug, wollen wir doch auch einen Gott, der uns liebt: unsere verkümmerten Seelen, unsere traurige Gestalt, unsere dunklen Gedanken und unsere kraftlose Tat. Wir wollen den Gott, der unsere Scherbenexistenz eben wieder zusammen setzt oder uns Zerbrochene wenigstens nicht zusammen kehrt und entsorgt, weil wir unseren Nutzen und unsere schöne Gestalt verloren haben in einem unachtsamen Augenblick oder im Laufe der Jahre.</p>
<p>Na was denn nun? Den tiefsten Abgrund und den höchsten Himmel. Dazwischen hält uns Gott am Kreuz. Der Gott, der unsere gebrochene Existenz meint und seine Geschöpfe liebt, weil sie aus seinen Händen kommen und der leidet, wenn sie kaputt gehen. Ein Bild der Passion, der Leidenschaft Gottes für uns. Wenn Sie gleich in unsere Ausstellung gehen, dann wagen Sie den Blick auf den Boden zu ihrer Linken und dann den Blick zu ihrer Rechten. Und vielleicht wird ihnen dieses Bild mitten in der Passion zu einem Bild der Auferstehung.<br />
Wenn ich, oh Schöpfer, deine Macht,<br />
EG 506, 1-2+5</p>
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		<title>Predigt</title>
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		<pubDate>Mon, 02 Mar 2015 13:32:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Achim Klapp]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Predigt]]></category>

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		<description><![CDATA[Predigt zur Ausstellungseröffnung über Markus 12,1-12 von Dompredigerin Petra Zimmermann Sonntag Reminiscere, 1. März 2015 Im Knistern und Knacken einer überlasteten Telefonleitung wurde am Dienstag vergangener Woche der Bericht der Augenzeugen durchgegeben. Die Mörder kamen Montagfrüh um vier. Sie umzingelten die christlichen Dörfer am Fluss Chabur. Schlugen Tausende assyrischer Christen in die Flucht, nahmen ganze [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: left;"><a href="http://du-sollst-dir-kein-bild-machen.de/wp-content/uploads/2015/03/2015-03-01_Zimmermann.mp3" target="_blank">Predigt zur Ausstellungseröffnung über Markus 12,1-12 von Dompredigerin Petra Zimmermann</a><br />
Sonntag Reminiscere, 1. März 2015<span id="more-309"></span></p>
<div id="attachment_457" style="width: 310px" class="wp-caption alignleft"><img class="size-medium wp-image-457" src="http://du-sollst-dir-kein-bild-machen.de/wp-content/uploads/2015/03/Bildschirmfoto-2015-03-14-um-14.34.32-300x186.png" alt="Dpmpredigerin Petra Zimmermann, Foto © Gerald von Foris" width="300" height="186" /><p class="wp-caption-text">Dompredigerin Petra Zimmermann, Foto © Gerald von Foris</p></div>
<p style="text-align: left;">Im Knistern und Knacken einer überlasteten Telefonleitung wurde am Dienstag vergangener Woche der Bericht der Augenzeugen durchgegeben. Die Mörder kamen Montagfrüh um vier. Sie umzingelten die christlichen Dörfer am Fluss Chabur. Schlugen Tausende assyrischer Christen in die Flucht, nahmen ganze Familien gefangen. 50, 90, 100 Familien &#8211; die Zahlen schwanken. Männer, Frauen, Kinder, sie wurden voneinander getrennt. Wir wissen nicht, was mit ihnen geschieht. Nur, dass sie in einem Gebiet lebten, das die Krieger des sogenannten „Islamischen Staates“ auf einer Karte als Kerngebiet ihres Traumkalifats veröffentlichten. Die Botschaft ist eindeutig: Christen gehören nicht zum Kalifat! Auch nicht die Jessiden, auch nicht die Muslime, die anders glauben als die Kämpfer des IS. Und mit den Menschen soll auch gleich alles vernichtet werden, was an sie und ihre Kultur erinnern könnte. Klöster werden abgebrannt, Museen und Bibliotheken geplündert, Kirchen gesprengt. Nichts anderes soll mehr gelten als die eigene Überzeugung, nichts anderes hat mehr Platz als die eigene Vorstellung, der eigene Machtanspruch. Deshalb die Schändung der Bilder, die Schändung der Körper, die sich dem nicht unterordnen. Gewalt &#8211; ein Virus, der sich ausbreitet und alles mitreißt, was in seine Todeszone gerät.</p>
<p style="text-align: left;">Eskalation der Gewalt &#8211; auch im biblischen Gleichnis. Der Winzer hat einen Weinberg angelegt. Hat dem Boden, der Landschaft, eine Gestalt gegeben. Anstrengende Arbeit, sorgfältig geplant und ausgeführt. Er bereitet den Boden, errichtet Zäune vor dem Fraß der Tiere. Baut die notwendigen Gebäude. Pächter werden eingesetzt. Der Weingärtner reist außer Landes. Später dann will er seinen legitimen Anteil an den Früchten des Weinbergs abholen lassen. Er schickt einen Knecht zu den Pächtern, und die schlagen ihn und schicken ihn mit leeren Händen zurück. Er schickt einen zweiten Knecht, und die Gewalt breitet sich aus. Schläge auf den Kopf, Tritte, Beschimpfungen. Wir haben die Bilder vor Augen: Das Opfer, das sich hilflos am Boden krümmt, das den Kopf zu schützen versucht. Noch mal und nochmal treten die Füße zu. Der Weinbergbesitzer schickt einen weiteren Knecht, und noch einen. Als könne er nicht glauben, was da geschieht. Einige der Knechte kehren zurück, schwer misshandelt. Andere werden totgeschlagen, er sieht sie nie wieder.</p>
<p style="text-align: left;">Schließlich schickt er seinen Sohn. Den einzigen. Den, den er liebt. Dem werden sie doch nichts tun. Dem Sohn. Dem Erben. Ihn werden sie doch nicht – doch, sie werden. Und wenn da bei den Pächtern auch ein kurzes Zögern gewesen sein mag, immerhin scheinen sie miteinander zu beraten, so fällt doch der Entschluss mit kalter Berechnung. Wenn wir den Sohn und Erben ausschalten, gehört alles uns. „Und sie nahmen ihn und töteten ihn und warfen ihn hinaus vor den Weinberg.“</p>
<p style="text-align: left;">Wer den Erben tötet, bringt sich in Besitz der Erbschaft. Wer den Erben tötet, wird selber Herr im Hause. Kann selber Schalten und Walten. Sagen, was gilt und was nicht. Was Bedeutung hat und was nicht. Und es wird alles aus dem Haus geschafft, was an den einstigen Besitzer erinnern könnte. All die alten Bilder – raus damit. All dieses Gerümpel, das von seinen Zeiten erzählt. Alles, was die Erinnerung an den Alten weiter tragen könnte – weg damit. Alles weg! Endlich frei von Bevormundung, endlich frei von allen fremden Ansprüchen. Jetzt bestimme ich, was bleiben darf und was meinem Urteil nicht Stand hält.</p>
<p style="text-align: left;">Liebe Gemeinde, das Gleichnis lässt sich auch lesen als eine Ermächtigung des modernen Menschen. Es lässt sich lesen als einen Versuch, mit dem Erben Gott selbst auszulöschen. Ihm das Recht und Anrecht auf das Leben des Menschen abzusprechen. Ihm den Weinberg, die Welt zu entreißen. Wir haben uns mit dem Eintritt in die moderne Welt in den Besitz der Erde gebracht. Wir wollen sie nicht mehr im Auftrag eines anderen hüten. Wir wollen den Weinberg für uns. Ganz für uns. Wollen darin tun, was uns gefällt. Wollen frei sein in dem, wie wir ihn nutzen, frei sein, ihn zu verändern nach unserem Gutdünken, frei von allen Vorgaben und Ansprüchen. Und wenn wir erfolgreich sind, dann haben wir das nur uns selbst gut zu schreiben. Wir sind niemandem mehr etwas schuldig. Oberpfarr &#8211; und Domkirche zu Berlin 2<br />
Allerdings drängt sich einem auf der Bildebene des Gleichnisses schnell die Frage auf, was eigentlich die Pächter machen, wenn alle fremden Besitzansprüche ausgemerzt sind. Wie geht es unter ihnen weiter? Werden sie die Früchte des Weinbergs friedlich miteinander teilen? Oder beginnt der Kampf unter ihnen zu toben, wer denn nun von ihnen die meisten Früchte sein eigen nennen darf. Erzählt wird das nicht, doch die Vermutung liegt nahe, dass die Gewalt, einmal erlebt, jederzeit wieder ausbrechen kann. Immer wieder steht ja jemand im Weg, der einem die Freiheit einschränken will, der einen Anteil fordert. Da liegt es nahe, doch nicht beim Erben halt zu machen, sondern die Selbstdurchsetzung weiter zu treiben. Man kann sich leicht ausmalen, wie die neu gewonnene Freiheit der Pächter im Blutbad des gegenseitigen Hauens und Stechens ersäuft wird.</p>
<p style="text-align: left;">Das Gleichnis wirft einen realistischen Blick auf die Menschen, indem es diesen dunklen Kern aus Gier und Hass und Kaltblütigkeit freilegt. Man kann sich schwer raushalten mit einem empörten: wie konnten die nur! Es ist unsere Gewaltbereitschaft, die hier zur Sprache kommt. Und die lauert. Es ist diese heimliche Überzeugung, dass wir mit Gewalt mehr erreichen als mit Sanftmut. Und vor allem, dass wir es schneller erreichen. Wir können in wenigen Tagen eine Stadt zerstören, aber es braucht Jahrzehnte, um sie wieder aufzubauen. Wir können mit wenigen Worten Vertrauen zerstören, aber es braucht lange Zeit, um es wieder zu erlangen. Wir können mit einem Handstreich eine Beziehung in die Brüche gehen lassen, aber es braucht viel, um sie zu erneuern. Überall sind wir im Zerstören effektiver als im Aufbauen. Und der Furor, mit dem dies alles geschieht, scheint sich noch zu erhöhen, sobald die Religion ins Spiel kommt. Es ist ja nicht so, dass der Bezug zu einem Weinbergbesitzer, zu Gott oder der Schöpfermacht die Gewaltbereitschaft der Menschen gleichsam automatisch mindert. Die Bilderstürme im Namen der Religion waren nicht weniger brutal als die Bilderstürme im Namen einer atheistischen Ideologie. Deshalb ist natürlich jeder naiv oder ignorant, der meint, mit einer Rückkehr hinter die Moderne wäre eine heilere Welt zu gewinnen. Was aber dann?<br />
Vertrauen wir uns noch einmal der Bildebene des Gleichnisses an. Da ist einer, der baut einen Weinberg. Und er geht außer Landes. Er geht außer Landes. Er bleibt nicht da und sammelt die Früchte ein, sondern er geht. Er übergibt den Weinberg in die Hände anderer. Er überlässt ihnen den Weinberg. Er lässt sie machen. Schenkt ihnen die Freiheit. Überlässt es ihnen zu entscheiden, wie der Weinberg zu bearbeiten sei. Welche kulturellen Errungenschaften man ausprobieren könnte, wie neue Wege angelegt und wo Zäune abgerissen oder neu gebaut werden sollen. Es ist kein alles kontrollierender Besitzer, der jeden Griff und jeden Gedanken bestimmt. Er übergibt den Weinberg den Menschen, die ihn in Freiheit bearbeiten und seine Früchte genießen sollen.</p>
<p style="text-align: left;">Liebe Gemeinde, erzählt wird hier von einem Gott, der die Freiheit des Menschen will. Der ihn nicht gängelt und ihn nicht wie eine Marionette an Fäden zieht. Ein Gott, der die Gedanken frei gibt und Räume schafft. Und dennoch geht es um eine Freiheit, die das Erbe nicht ausschlägt, das ihr zugrunde liegt. Die den Erben nicht vernichten muss, um sich selbst zu behaupten. Eine Freiheit, die anerkennt, dass wir uns nicht selbst erschaffen haben, auch die Welt nicht selbst gemacht haben. Eine Freiheit, die erkennt, dass sie nichts erschaffen kann, was dem Tod widersteht. Eine Freiheit, die sich verdankt. Eine Freiheit, die sich bezieht auf etwas anderes, das größer ist als sie selbst. Ohne diesen Bezug auf etwas anderes, verheddert sich die Freiheit in sich selbst. Sie kennt keinen anderen Referenzrahmen mehr als sich selbst, dreht sich um sich selbst. Entleert sich, verwirrt sich in müder Langeweile oder wird gewalttätig. „Was nun wird der Herr des Weinbergs tun?“, fragt Jesus am Ende der Geschichte. Die Antwort liegt nahe und wird spontan gegeben: „Er wird kommen und die Weingärtner umbringen und den Weinberg andern geben.“ Wessen Antwort ist das? Die Antwort Jesu? Die Antwort, die allen auf der Zunge liegt? Die Antwort, die wir, nach menschlichem Ermessen, geben würden, denn die Schuld muss doch gesühnt werden. Die Antwort ist das Erwartbare. Wird es auch so kommen? Ende offen?</p>
<p style="text-align: left;">Der Evangelist Markus belässt es nicht bei diesem offenen Ende. Er schreibt ja diese Geschichte viele Jahre später auf. Er weiß, wie die Geschichte Gottes mit den Menschen weiter gegangen ist. Deshalb legt er Jesus nach dem Ende des Gleichnisses noch ein Zitat aus der hebräischen Bibel in den Mund. Ein Psalmwort. Jesus spricht: „Habt ihr denn nicht dieses Schriftwort gelesen (Psalm 118,22-23): »Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, der ist zum Eckstein geworden. Vom Herrn ist das geschehen und ist ein Wunder vor unsern Augen«?</p>
<p style="text-align: left;">Es ist ein Einspruch gegen die erwartete Antwort. Gerade der Stein, der so wertlos schien, das er nach menschlichem Ermessen nichts taugte, bekommt eine Funktion, die den ganzen Bau zusammenhält. Gerade der, der verwundet und gequält wurde, und mit einem wortlosen Schrei starb, wird zum Träger der Hoffnung auf ein Leben, das den Tod überwunden hat. Wo es nach menschlichem Ermessen nichts Oberpfarr &#8211; und Domkirche zu Berlin 3 mehr zu hoffen und nichts mehr zu erwarten gab als Strafe und Tod – erweist sich Gott als der Barmherzige, der mit dem Blut des ermordeten Sohnes einen neuen Anfang setzt.</p>
<p style="text-align: left;">Liebe Gemeinde, wenn sie nachher die Tauf- und Traukirche betreten, wird ihnen an der Seite, an der sie den Altar erwarten, eine graue Wand im Weg stehen. Darauf ein quadratisches Bild, vielleicht eher eine Skulptur, die Farbe ein grelles Rosarot, das ins Auge sticht. Eine Stück Leinwand, in der Mitte ein Schnitt von oben nach unten. Der Künstler Lucio Fontana, Maler, Bildhauer, Keramiker begann zehn Jahre vor seinem Tod, Schnitte in Leinwände zu setzen. Wie Wunden in einen Körper. Er zerstörte damit die Leinwand, den Bildträger und damit die Grundbedingung der traditionellen Malerei. Eine Kritik am eigenen Schaffen? Protest gegen eine routinierte Malerei, die dem Betrachter manipuliert und ruhigstellt, statt ihn aufzuwühlen? Eine Auseinandersetzung mit dem eigenen Tod, der wie ein gnadenloser Zerstörer das Leben vernichtet? Das alles, vielleicht. Vielleicht aber auch eine Ahnung, dass aus den Wunden neues Leben hervorgehen kann. Dass die Lebendigkeit womöglich dort am größten ist, wo wir uns trauen, uns unsere Wunden zu zeigen. Wo wir uns anvertrauen. Und daraus Neues entsteht. Nicht unversehrt, nicht wie am Anfang, nicht in träumender Unschuld, sondern in einem Leben das um seine Verwundungen, sein Scheitern, seine Niederlagen, seine Schuld weiß. Und dennoch nicht aufhört, sich zu sehnen nach dem anderen, der großen Verheißung.<br />
Wir bauen an dem Weinberg. Graben die Erde um, reißen Zäune ein und erhöhen die Türme. Wir versuchen zu verstehen, beteiligen uns an der kulturellen Entzifferung der Welt, mit Worten und Bildern, Skulpturen und Musik, Filmen und Räumen, wir stellen Fragen, gehen an Grenzen, suchen nach dem, was hinter der Gestalt, der Melodie, dem Wort – was jenseits verborgen liegt. Wir fragen danach, was das alles für einen Sinn macht, dieses Leben mit seiner Lust und seinem Schmerz, seiner Alltäglichkeit und seinem Zauber. Und manchmal, da kann es sein, dass wir jenseits der Form, des Materials, des Wortes den anderen spüren und eine Ahnung davon haben, dass wir geschaffen sind, und angewiesen und herausgefordert von dem, der sich in diese Welt warf, damit wir das Leben haben.</p>
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